Erlebnisbergwerk Merkers – gut zu wissen!

Das ehemalige Kalisalzbergwerk Merkers bei Bad Hersfeld ist dem Erkundungsbergwerk von Gorleben viel ähnlicher als Krakau! Die Schachtfördertechnik ist vergleichbar und führt in eine Tiefe von 500 bis 800m. Von dort geht es Pickup Trucks über endlose Serpentinen und Tunnelsysteme weiter. In der Umgebung wird weiterhin intensiver Salzbergbau betrieben, die großen Salzhalden prägen das Landschaftsbild. Der Betreiber K&S (Kali & Salz) betreibt das Erlebnisbergwerk auch um Öffenlichkeitsarbeit in eigener Sache zu machen.
So sind die meisten der etwa 80.000 Besucher pro Jahr Schulklassen, denen mit etwas Spaß und Action auch die Kalibergbaugeschichte erläutert wird.

Was wird geboten unter Tage?
Spektakulär ist der große Konzertsaal, in dem jährlich etwa 10 Musikveranstaltungen mit 1400 Besuchern stattfinden. Interessant ist dabei, dass diese Besucher innerhalb von 75 Minuten über eine vergleichbare Fahranlage rein oder raus transportiert werden können, ohne die üblichen Sicherheitsauflagen, wie Stiefel und Selbstretterset. Lediglich der Helm ist Vorschrift, der kann aber bei der Garderobe vor dem 250m langen und 22m breiten Konzertsaal wieder abgegeben werden.
Bei der normalen Erlebnisrundfahrt wird im Saal eine Licht-Show veranstaltet. Direkt daneben kommt man an einem großen Kletterpark vorbei, der für Gruppen oder zu besonderen Zeiten buchbar ist. Nächste Akttraktion ist die Schatzkammer. Dort wurden zum Ende des zweiten Weltkrieges das Geld der Reichsbank, 320 Tonnen Gold und riesige Kunstschätze versteckt und wenig später von den Alliierten entdeckt und beschlagnahmt. Die Kammer ist anschaulich wieder hergestellt und mit Filmmaterial erfahrbar.
In einer wunderschönen Salzgrotte, die vor 30 Mio. Jahren entstanden ist, sind riesige klare Salzkristalle zu bewundern, deren Schönheit durch farbige Beleuchtung noch hervorgehoben wird.
Zum Schluss geht es in den Museumsbereich, wo von alten Werkzeugen bis zu neuen Riesenradladern alles zu bestaunen ist und auch von den Kinder beklettert werden darf.

Ein wichtiger Unterschied zum Gorlebener Salzstock ist, dass es sich bei Merkers nicht um einen Salzstock, sondern um eine flach gebettete Salzlagerstätte handelt. Auf 4.600 km Strecke wurden hier 400 Mio. Tonnen Salz gefördert. Noch heute werden in der Umgebung 80.000 t Salz täglich gefördert. Alles mit Sprengungen und Großmaschinen, also ohne die Solefördertechnik, bei der das Salz erst aufgelöst und später wieder gesiedet, also getrocknet wird.
Von Gesundheitswirkungen, Heilstollen und Wellness ist in Merkers nichts zu sehen oder zu hören. Der Ursprung liegt eben mehr im Kali-Industriebetrieb.
Gut zu wissen ist auch, das die Temperaturen im Bereich von 20 bis 28 Grad sehr angenehm sind, was in etwa auf Gorleben übertragbar ist.

Anbei einige Fotos, die ich bei meinem Besuch am 5.11.2013 gemacht habe.

Salzbergwerk in Krakau Vorbild für Gorleben?

Salzbergwerk in Krakau Vorbild für Gorleben?
Gruppe aus dem Wendland besucht Weltkulturerbe
Keine Frage, Krakau ist eine Reise wert, die Burg, die Altstadt, 140 Kirchen und viele Museen laden zum Besuch der vom Krieg fast ganz verschonten Hansestadt an der Weichsel ein. Doch wer hat schon einmal von dem ältesten und weltberühmten Salzbergwerk Wieliczka bei Krakau gehört? Eine Gruppe von sechzehn Wendländern und Wendländerinnen hatte sich vorgenommen, diese Touristenattraktion näher zu erkunden, um zu überlegen, ob von diesem Besucherbergwerk auch Ideen für die Nachnutzung des Gorlebener Erkundungsbergwerkes übertragbar sind.
Die Zahlen und Fakten des Bergwerkes in Polen sind beeindruckend. Bereits vor 5000 Jahren wurde an der Erdoberfläche Salz gesiedet, ab dem 13. Jahrhundert begann der Salzbergbau, der über 900 Jahre zum Reichtum Polens beitrug und sich wegen der Sagen und Mythen um das Bergwerk zu einem Nationalheiligtum entwickelte.
Seit 1978 gehört das Bergwerk als einer der ersten drei Orte Polens zum Weltkulturerbe. Auch der Tourismus in Wieliczka begann schon früh, allerdings war er damals nur Prominenten und Wissenschaftlern vorbehalten. Für den Besuch von Königen und Kaisern wurden eigens prächtige Salzsäle mit Salzskulpturen angefertigt. Wegen der starken Gläubigkeit unter den Bergleuten entstanden im Laufe der Zeit über 40 Kapellen in dem 300 km langen Tunnelsystem mit 2000 Abbauräumen.
Der berühmteste Sohn der Stadt Krakau, Nicolai Kopernikus war bereits im 15. Jahrhundert zu Gast, während es Wolfgang Goethe 1790 in die Grube lockte. Beide sind heute als überlebensgroße Salzskulpturen verewigt. Auffallend ist die dunkle Farbe des Salzes in Wieliczka. Das mit 13 Millionen Jahren sehr junge Steinsalz hat nirgendwo die sonst bekannte rosa Einfärbung. Es ist grau, grün bis schwarz, bis auf kleine Vorkommen durchsichtiger Salzkristalle in einigen Salzgrotten.
Die normale Touristenroute durch den gut erschlossenen Bereich dauert 2,5 Stunden. Die Führung wird in vielen Sprachen angeboten. Im vergangenen Jahr kamen über 1,1 Millionen Besucher. Dafür sind 500 Reiseführer im Einsatz und 500 Bergleute sind noch heute mit bergmännischen Tätigkeiten beschäftigt, obwohl der kommerzielle Salzbergbau vor einigen Jahren eingestellt wurde.
Ein Highlight war für die Wendländer das Mittagessen, dass im Restaurant in einem Festsaal 130m unter Tage stattfand. Die Gruppe hatte Glück, es fand gerade keine Hochzeit statt, denn der bis zu 160 Personen fassende Festsaal wird gerne für Feierlichkeiten aller Art gemietet. Besonders fasziniert dort der edle Salz-Fußboden, der eher an Granit oder Marmor erinnert und die Kristallkronenleuchter, die statt Kristallglas mit durchsichtigen Salzkristallen verziert sind.
Nach der Mittagsrast hatte die Gruppe noch die besondere Möglichkeit, die Heilstollen von Wieliczka zu besichtigen, die normalerweise nur für Patienten zugänglich sind. Einige Monate Wartezeit müssen die Patienten in Kauf nehmen, um dann z.B. eine 15-tägige Behandlung auf Krankenschein zu erhalten. 120-140 Patienten mit Atemwegserkrankungen kommen so täglich für 6 Stunden in den Heilstollen mit Solesee in 135 m Tiefe. Leider ist dort bisher noch keine Behandlung von Hautkrankheiten möglich, aber eine Erweiterung um einen Sole-Bäderteil ist für die nächsten Jahre geplant. Immerhin gibt es seit Kurzem für besondere Heilzwecke auch 35 Übernachtungsplätze im Heilstollen, die zunehmend auch von ausländischen Patienten in Anspruch genommen werden, aber privat bezahlt werden müssen. Diese Heilbehandlungen werden bereits von einigen deutschen Krankenkassen anerkannt und erstattet.
Einige Wendländer waren sich einig, dass der Heilbereich noch erheblich ausbaubar ist und sie fragten sich, ob dies für die Nachnutzung von Gorleben eine besondere Chance bietet, zumal in den Tiefen des Gorlebener Bergwerkes statt 14-16 Grad wesentlich angenehmere Temperaturen um die 30 Grad herrschen, die für viele Heilzwecke förderlich sind. Und da es auch in Gorleben verschiedene Erkundungsebenen gibt, wäre auch hier eine Trennung von Heilbereich und einem touristischem Vergnügungsbereich gut möglich.
Dr. Arne Lucke, der als alter Krakau Kenner und Kultur Touristiker diese Tour mit Begeisterung mitgemacht hat, sieht für das Wendland durchaus touristische Potentiale in diesem Bereich. Besonders wenn später das geplante Weltkulturerbe der Rundlinge neue Touristen anzieht und durch die Verknüpfung mit einem Heil- und Erlebnisbereich in Gorleben, die Besucher zu einem mehrtägigen Aufenthalt im Wendland bewegt werden können.


Gruppenbild im Festsaal der heiligen Kinga, mit Salzmarmorboden und Salzkristall-Leuchtern.

Besucherschlangen vor dem Bergwerkseingang

Gedenkstein zur Ernennung als Weltkulturerbe (alternativ in Salz)

Bei einer mittelalterlichen Bergmanns Erlebnistour kommt Christoph Ziemann ins Schwitzen, er Transportiert sein eigens abgebautes Salz mit einem „ungarischen Hund“ zum Schacht.

Christoph Ziemann und Dieter Schaarschmidt beim Holz sägen unter Tage

Alle Fotos von Dieter Schaarschmidt (1 Foto Reiseführerin)

Steiler Zahn und Einbruchsee schließen Gorleben aus!

Es war ein langer und anstrengender Tag, nicht nur für Marianne Fritzen und Prof. Klaus Duphorn, die ältesten Teilnehmer des Tages über den Gorleben Untersuchungsausschuss.
Eingeladen hatten das Gorleben Archiv, die Bäuerliche Notgemeinschaft und die Bürgerinitiative Umweltschutz.
Auftakt war am Samstag den 7. September eine Presse-Tour zu markanten Gorleben-Punkten, die im Gorleben Untersuchungsausschuss eine wichtige Rolle gespielt haben, aber in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt sind.
Prof. Duphorn und sein Kollege Uwe Schneider hatten sich bereit gefunden, diese 4-stündige Tour fachlich zu begleiten. Wobei auch manche Anekdoten aus der 35 jährigen Gorleben Geschichte zu Tage traten. So schmunzelten die beiden Geologen, wie denn der Begriff „Steiler Zahn“ vor Jahrzehnten bei einem Mittagessen unter Geologen kreiert wurde. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die höchste Erhebung des Salzstockes, bis 133 m unter die Erdoberfläche. Der Steile Zahn befindet sich etwa dort, wo heute die Salzhalde steht. Auch an mehreren großflächigen Stellen reicht der Salzstock bis 160 oder 180 m unter die Erdoberfläche. Dies ist in sofern wichtig, weil im Untersuchungsausschuss ein handschriftliches Protokoll vorgelegt wurde, in dem der Geologe Dr. Jaritz die Kriterien für einen Vergleich von Salzstöcken ändern wollte, weil sonst wichtige Salzstöcke rausfallen würden. Er ließ damals die Deckgebirgsteufe von mindestens 250 m auf 200 m verringern und schlug vor nicht mehr von Vorauswahlkriterien, sondern von Gesichtspunkten zu sprechen. Trotz der unter 200 m liegenden Teufe blieb dann Gorleben trotzdem im Rennen, andere Salzstöcke mit ähnlicher Teufe flogen raus.
Besonders eindrucksvoll war für die Exkursionsteilnehmer der Besuch der Punkte im Raum Lenzen. Im Untersuchungsausschuss war eine gefälschte Kartendarstellung in den Akten des Bundeskanzleramtes gefunden worden, wonach der Salzstock nur mit einem kleinen Zipfel in die damalige DDR hinein ragte. Nachprüfungen ergaben, dass nach diesen gefälschten Angaben der Salzstock genau vor der explodierten Gasbohrung bei Lenzen geendet hat. Diese Mähr war im Westen auch über lange Zeit aufrecht erhalten worden. Sie sollte schon 1976 dazu dienen, den Salzstock trotz der damals bereits bekannten Erdgasbohrungen und Erdgasvorkommen, in die nähere Wahl zu nehmen. Dies belegt eine geheime Kabinettsvorlage vom Dezember 1976. Die Nachforschungen des Ausschusses, wer denn für diese Fälschung verantwortlich war, blieb ergebnislos. Erst jetzt ist eine alte Karte aus den Antragsunterlagen der DWK vom März 1977 aufgetaucht, in der erstmals der Salzstock mit genau diesen Umrissen abgebildet war.
Die Verleugnung des östlichen Salzstockteils hatte noch einen anderen Grund, denn der 15 km in den Osten hinein ragende Salzstock hatte an seiner Oberfläche einen 4 km langen Einbruchsee, den Rudower See. Dieser See ist vor 13.000 Jahren genauso entstanden , wie der Arendsee, nämlich durch Auswaschung des Salzes im tiefen Untergrund und dem folgenden Einbruch des Deckgebirges, die dann zur Seebildung führte.- Und solche Salzstöcke mit Einbruchsee wurden nach Angaben des Gutachters und Zeugen Dr. Krull im Ausschuss, grundsätzlich nicht für Atommülllager in Betracht gezogen.

Prof. Klaus Duphorn erläutert am Rudower See den Einbruch des Deckgebirges. (Foto: D.Schaarschmidt)


Um 15 Uhr wurde in öffentlicher Veranstaltung im Gildehaus in Lüchow eine Podiumsdiskussion mit Zeugen und Experten aus dem Untersuchungsausschuss geführt. Trotz des hervorragenden Wetters war diese mit über 80 Teilnehmern sehr gut besucht. Das Resümee der vier Geologen Duphorn, Grimmel, Schneider und Kleemann war einhellig. Gorleben ist unbrauchbar, tot oder wissenschaftlich delegitimiert! Nur in Details wird mehr Wert auf das fehlende Deckgebirge oder die Gasvorkommen gelegt. Im norddeutschen Bereich, wo in den nächsten 1 Millionen Jahren mit mindestens 10 weiteren Eiszeiten gerechnet werden muss, wird Salz von allen Geologen gänzlich ausgeschlossen.
Graf Andreas von Bernstorff und Marianne Fritzen, die ebenfalls ihre Eindrücke aus dem Untersuchungsausschuss schilderten, wurden persönlicher. Bernstorff hatte ein an sachlicher Aufklärung interessiertes Gremium erwartet und war entsetzt, dass von Seiten der CDU nur persönliche Angriffe gegen ihn gestartet wurden, die vom eigentlichen Thema ablenken sollten. Offensichtlich habe die CDU mit seiner bürgerlichen Herkunft ein Problem, da sie ihn nicht als „Krawallmacher“ abstempeln könnte. So versuchte die CDU immer wieder den Eindruck zu erwecken, der Graf gäbe nach Außen den Atomkraftgegner vor, wäre aber heimlich der größte Profiteuer der Atomanlagen. Am Schlimmsten fand Bernstorff aber die Tatsache, dass seine Erklärungen, dass es sich bei den Entschädigungen, die er für Naturschutzausgleichsmaßnahmen und beschädigte Wege erhalte, um einen reinen Schadensausgleich handele, gar nicht wahrgenommen wurde. So wurde er schließlich sogar in der abschließenden Plenardebatte des Bundestages ähnlich verleumdet.

Expertengespräch moderiert von Asta von Oppen, mit Andreas Graf von Bernstorff, Dr. Ulrich Kleemann und Prof. Eckhard Grimmel (Schneider und Duphorn nicht im Bild). (Foto: D.Schaarschmidt)
Marianne Fritzen, die gleich zu Anfang betont hatte, dass es sich bei dieser Veranstaltung um die letzte große Veranstaltung handele, die sie mit vorbereitet hat, berichtete über die Gorleben Kommission und die Repressionen gegen Atomkraftgegner von Anfang an.
Die Frage nach den Konsequenzen aus dem Untersuchungsausschuss auch für das gleichzeitig im Bundestag verabschiedete neue Standortsuchgesetz, war unterschiedlich. Mehrheitlich wurde dafür plädiert, Gorleben nicht ein neues Suchverfahren mit aufzunehmen. Lediglich Dr. Ulrich Kleemann zeigte sich optimistisch, dass Gorleben im neuen Suchverfahren ausscheiden wird. Er wird aller Voraussicht nach als Einziger der Anwesenden in der neuen Endlagerkommission vertreten sein.

Marianne Fritzen stellt die Bundestagsabgeordneten Eckhard Pols (CDU), Kirsten Lühmann (SPD), Moderator Jürgen Voges, Dorothea Steiner (Grüne) und Johanna Voß (Linke) vor. (Foto: Dominique Chasseriaud)


Vor der Podiumsdiskussion am Abend, zu der Bundestagsabgeordnete von CDU, SPD, Linken und Grünen gekommen waren, hatte Wolfgang Ehmke auf die Vorgeschichte des Untersuchungsausschusses hingewiesen. Durch Nachforschungen der Bürgerinitiative war der Stein überhaupt erst ins Rollen gekommen. Der CDU Abgeordnete Eckhard Pols hat seinen Wunsch geäußert, Gorleben möge doch endlich zu Ende erkundet werden. Er überlasse alles der Wissenschaft und habe selber eigentlich keine Meinung dazu. Kirsten Lühmann (SPD) und Dorothea Steiner (Grüne)verteidigten ihre Position, nach der sie sich persönlich zwar ein Ausscheiden des ungeeigneten Salzstockes Gorleben aus dem neuen Suchverfahren gewünscht hätten, aber um den Konsens nicht zu gefährden, einem Verbleib Gorlebens zugestimmt haben.
Allein die hiesige Abgeordnete Johanna Voß von den Linken konnte eine Übernahme vder BI-Position vermelden, wonach es einem neuen Suchverfahren die Grundlage entzieht, wenn der Zankapfel Gorleben im Verfahren verbleibt.

Was fehlt im Bericht des Gorleben Untersuchungsausschusses?

unter dieser Rubrik möchte ich Dokumente und Themen veröffentlichen, die aus irgend welchen Gründen nicht so ausführlich oder gar nicht im Abschlussbericht erwähnt werden.
Hier eine vorläufige Liste:
Atommüllmenge und Endlagervolumen
Der Steile Zahn von Gorleben und die Anpassung der Kriterien

Dokument eines kritischen Geologen
weitere Themen folgen…
Zur Frage der Atommüllmenge und des dafür benötigten Endlagervolumens
Im Bewertungsteil der CDU/FDP wird diese Frage kritisiert, aber keine Antwort gegeben:
Zu Punkt III. Falsche Vorhalte bei Zeugenvernehmungen (im Bewertungsteil von CDU/CSU und FDP)
Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Vehemenz aus einer berechtigten Frage der Abgeordneten Dorotheé Menzner (DIE LINKE) an den Zeugen Gerald Hennenhöfer, die Regierungsfraktionen versuchen einen falschen Vorhalt zu konstruieren.
Für uns stellt sich dadurch die Frage, von welchem Sachverhalt hier mit diesem Feuerwerk abgelenkt werden soll? Offenbar ist die Frage der anfallenden Atommüllmenge und des dafür im Salzstock Gorleben zur Verfügung stehenden Lagervolumens ein sehr sensibles Thema.
Da weder durch die Antwort des Zeugen Gerald Hennenhöfer, noch durch die Ergänzung des Beauftragten der Bundesregierung die Frage zufriedenstellend beantwortet wurde und auch später durch die Antwort der Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Dorotheé Menzner nicht wirklich geklärt wurde, versuchen wir mit Hilfe intensiven Aktienstudiums der Antwort näher zu kommen.
Grundfrage war die Diskrepanz zwischen den 1,1 Mio. m3 nutzbares Einlagerungsvolumen des Endlagers Gorleben, wie Hennenhöfer sie in seinem Positionspapier vom 28.März 1995 genannt hatte, zu den 70 Mio. m3 erforderliche Endlagergröße, wie sie in der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Ursula Schönberger vom 16.10.1996 genannt worden waren.
Begriffsklärung:
Atommüllvolumen beschreibt das Abfallvolumen, inklusive Verpackung, zumindest bei schwach und mittelaktivem Atommüll in Kubikmetern.
Nutzbares Einlagerungsvolumen eines Endlagers scheint den Lagerraum eines Endlagers in Kubikmetern zu benennen, ohne die Sicherheitsabstände zwischen den Lagerräumen und zu den Endlageraußengrenzen. Im Falle von schwach- und mittelaktivem Atommüll, wie er für Schacht Konrad vorgesehen ist, ist das Einlagerungsvolumen fast identisch mit dem Abfallvolumen, da diese dicht gestapelt werden kann.
Und unter Endlagervolumen wird nach Auskunft von Staatssekretärin Heinen-Esser das Gesamtwirtsgestein zur Aufnahme eines funktionsfähigen Endlagers verstanden. Also das Gebirgsvolumen in Kubikmetern, inklusive der Einlagerungsräume und der Sicherheitsabstände.
Beim Hochaktiven Atommüll kommen noch zusätzliche Begriffe hinzu:
TGV in m3 = bezeichnet das Transportgebindevolumen, mit dem bei HAW Müll bei der Streckenlagerung gerechnet wird. Da beim HAW-Müll das Transportgebinde (TGV) ein erheblich größeres Volumen und Gewicht einnimmt, als der HAW-Müll selbst, ist die Größe TGV nicht identisch mit der Menge des HAW-Mülls, der in der Regel in t SM (Tonnen Schwermetall) angegeben wird.
t SM (Tonnen Schwermetall) = bezeichnet die abgebrannte Brennelementmenge in Tonnen Gewichtseinheit, die jedes Jahr beim Betrieb der Atomreaktoren anfällt. In einem CASTOR-Behälter mit einem Leergewicht von 120 t werden z.B Brennelemente mit 6 t SM transportiert.
Da diese Brennelemente und ihre Behälter über Jahrhunderte heiß sind, wird bei ihrer Endlagerung, je nach Wirtsgestein, ein großer Abstand zwischen den Behältern vorgesehen, so dass tatsächlich bei HAW-Müll eine große Differenz zwischen dem eigentlichen Atommüllvolumen und dem dafür benötigten Endlagervolumen besteht. Daher benötigt die volumenmäßig kleine Menge HAW-Müll ein wesentlich größeres Endlagervolumen, als der volumenmäßig große Anteil an schwach und mittelaktivem Atommüll, der dicht gepackt werden kann.
Die spannende Frage bleibt, wie wurde das benötigte Endlagervolumen von 70 Mio. Kubikmetern berechnet? Und ist dieses Volumen z.B. im bisher angedachten Nordostteil des Salzstockes Gorleben unterzubringen? – Im Positionspapier von Hennenhöfer wurde sicher noch von der Nutzung des gesamten Salzstockes ausgegangen, aber auch die Sicherheitsabstände zu Anhydritsträngen und anderen Gefahrenbereichen schränken das nutzbare Endlagervolumen ein. So war es sicher eine Erleichterung, dass über Nacht, durch den angedachten Atomausstieg, das prognostizierte Atommüllvolumen halbiert wurde.
In den Akten finden sich verschiedene Rechenverfahren zur Errechnung des benötigten Endlagervolumens für den HAW-Müll. Bezogen auf die Einlagerung im Wirtsgestein Salz gibt das BfS in seiner Zuarbeit für die Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Ursula Schönberger am 31.10.1996 folgende handschriftlich ergänzte Rechenformel an:
Die Bundesregierung geht derzeit bei ihrer Grobplanung von einem erforderlichen Endlagervolumen in der Größenordnung 70 Mio. m3 aus. * 2.700 m3/t SM Salzvolumen, bei ca. 25.000 t SM
Das bedeutet, das BfS hat eine Formel erarbeitet, nach der pro t Schwermetall etwa 2.700 m3 Salzvolumen benötigt werden. Multipliziert mit den prognostizierten 25.000 t SM bis zum Jahre 2080, ergibt dies 67.500.000 m3 Salzvolumen (Endlagervolumen). Akten-Nachweis: MAT E 7 Band 28 pag. 371
Da dies etwa der Zahl 70 Mio. m3 Endlagervolumen entspricht, wäre dies eine plausible Erklärung.
Wie das BfS zu seiner Rechenformel kommt, wird nicht näher erläutert, es findet sich in den Akten aber in der Fortschreibung des Zwischenberichtes zu Gorleben, vom Mai 1983 im Kapitel Endlagerplanung eine Beispielrechnung.
„Die Einlagerungskammern mit ca. 200 m Länge und 40 m2 Streckenquerschnitt besitzen ein Einlagerungsvolumen von 8.000 m3 pro Kammer. Die Festen (Abstände Anm.Red.) zwischen den Einlagerungskammern werden auf 14 m, die zwischen den einzelnen Einlagerungsfeldern auf 30 m bemessen.“ Aus der Zeichnung ist ersichtlich, dass die Kammern 7 m breit und 6 m hoch sind. Dies sind Angaben für die sogenannte Streckenlagerung. Hier werden die TGV liegend hintereinander in den Kammern gelagert.
Für die ebenfalls berechnete Bohrlochlagerung wird angegeben: „Die Bohrlochstrecken für die Einlagerung von Kokillen, werden zwischen Abfalltransport- und Salztransportstrecke 50 m, die für die Faßgebindelöcher in 20 m Abstand aufgefahren. Unter bestimmten Voraussetzungen werden die Faßgebindelöcher vom Hauptanhydrit-/bzw. Carnalitflöz mindestens 75 m, die Kokillenlöcher 100 m entfernt sein.“ Akten-Nachweis: MAT A 81 Band 1 pag. 0481- 0484
Die Streckenlagerung für abgebrannte Brennelemente zu Grunde gelegt, bei einer Behälterlänge von 6m mit überschlägig 6 t SM, gehen wir von 1 t SM pro m Einlagerungsstrecke aus. Wenn ich einen Abstand von 14 m seitlich zwischen den Strecken übernehme und als Abstand zwischen den Einlagerungsetagen 20 m ansetze, so komme ich 21m x 26 m auf 546 m3 Salzvolumen pro t SM. Die bleibende Differenz zu den 2.700 m3/ t SM des BfS liegt eventuell in den Sicherheitsabständen am Rand. Jedenfalls würden die 25.000 t SM im Salzstock Gorleben bei der Streckenlagerung mindestens 25.000 laufende m an Einlagerungskammern benötigen, oder 125 Kammern von 200 m Länge.
Wie passt dies jetzt mit den 1,1 Mio. cbm nutzbares Einlagerungsvolumen von Herrn Gerald Hennenhöfer zusammen? Die Abfallmengenerhebung von Herrn Dr. Bräuer, vom Mai 1995 ergibt nach „Szenario 2: DE nach WA (SA) (direkte Endlagerung nach Ende der Wiederaufbereitung Anm. Red.) bei 50 Jahre Betrieb der bestehenden KKW bis zum Jahre 2080“:
LAW und MAW (leicht und mittelaktive Abfälle Anm. Red.) 420-520.000 m3 TGV
Für MAW (Q)/HAW/BE 60- 80.000 m3 TGV
Wenn wir für die LAW und MAW –Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung davon ausgehen, dass ihr Abfallvolumen in etwa dem nutzbaren Endlagervolumen entspricht, so blieben von den 1,1 Mio. cbm, abzüglich ca. 500.000 cbm TGV LAW + MAW noch etwa 600.000 cbm nutzbares Endlagervolumen für die HAW. Da ich bei der Streckenlagerung abgebrannter Brennelemente nur 1m Behälterlänge mit 1-2 m Behälterdurchmesser pro Streckenmeter mit 40 m2 Querschnitt lagern kann, komme ich auf ein etwa 20-faches Verhältnis von 1 m3 TGV zu 20 m3 Streckenvolumen. Bei kompletter Streckenlagerung könnte ich in den 600.000 m3 nutzbares Endlagervolumen dann nur etwa 30.000 m3 TGV lagern. Da voraussichtlich damit gerechnet wird, einen großen Teil der Kokillen und der stärker wärmeentwickelnden Fassgebinde in Bohrlöchern zu lagern, bei denen das nutzbare Einlagerungsvolumen besser ausgenutzt wird, z.B. im Verhältnis 1:2, wäre es denkbar, dass die 1,1 Mio. m3 irgendwie zu der von Bräuer berechneten Abfallmenge passen.
Es bleibt darauf hinzuweisen, dass für jedes Wirtsgestein diese Berechnungen, wegen ihres unterschiedlichen Wärmeverhaltens anders aussehen.
Ganz wunderbar wäre, wenn uns Herr Hennenhöfer oder eine andere Berechnung in den Akten, eine solche oder ähnliche nachvollziehbare Berechnung geliefert hätte.
Es scheint, als ob die Regierungsfraktionen mit ihrer heftigen Reaktion auf die Frage nach den Abfallmengen und Endlagervolumina davon ablenken wollen, dass der mengenmäßig kleine Anteil hochradioaktiven Atommülls eben doch den größten Teil des Endlagervolumens benötigt und dieser auf Grund der geologisch schwierigen Verhältnisse in Gorleben dort nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden kann.

Atommüll-Enquete-Kommission ohne Gorleben!

Grundsätzlich begrüße ich eine dem Endlagersuchgesetz vorgeschaltete Denkpause. In dieser Zeit müssen auch die Fehler der Vergangenheit (in der ASSE, in Morsleben und Gorleben) mit aufgearbeitet werden.

Für mich ist entscheidend, dass diese Kommission, die erst einen Vorschlag für den zukünftigen langfristigen Umgang mit Atommüll entwickeln soll, unabhängig arbeiten kann. Ein daraus entwickeltes Suchverfahren darf erst im Anschluss 2015 beschlossen werden.

Gleichzeitig muss in dieser Zeit dem Gedanken der Bürgerbeteiligung Rechnung getragen werden und ein neutral moderierter Bürgerbeteiligungsprozess organisiert werden, dessen Vorschläge in die Kommissionsarbeit einfließen.

Die Frage der geologischen Eignung von Gorleben sollte unabhängig vor einem neuen Suchverfahren, durch einen nachgeholten geowissenschaftlichen Vergleich mit allen anderen Salzstöcken in Deutschland, geklärt werden. Dabei werden die 1995 von der BGR (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) auf alle anderen Salzstöcke  angewendeten Mindesteignungskriterien auch auf Gorleben angewendet. Für den Vergleich werden die Daten der Salzstöcke anonymisiert, um eine Beeinflussung auszuschließen. Sollte der Salzstock Gorleben-Rambow nicht unter die drei untersuchungswürdigsten Salzformationen fallen, werden die Erkundungstätigkeiten endgültig eingestellt. Die ergebnisoffene Erkundung von Gorleben gilt dann als gescheitert. Die Kosten tragen die Verursacher.

Nach den Erfahrungen in der ASSE und in Morsleben, darf Salz generell nicht mehr zu den untersuchungswürdigen Endlagermedien in Deutschland gehören.

Gleichzeitig wird die Entsorgungsrücklage der Atomkraftwerksbetreiber in einen öffentlich-rechtlichen Fonds überführt, damit die nukleare Entsorgung langfristig unabhängig vom Geschäftserfolg der Unternehmen sichergestellt werden kann. In einem von der Kommission in Auftrag zu gebenden, unabhängigem Gutachten, soll dabei berechnet werden, ob die bisherigen Kostenkalkulationen für die Entsorgungsrückstellungen noch aktuell sind, oder ob eine zusätzliche Umlage der Betreiber den öffentlich-rechtlichen Fonds entsprechend auffüllt.

Ohne eine Berücksichtigung dieser elementaren Forderungen aus der Anti-Atom-Bewegung wird der Vorschlag zu einer Atommüll-Enquete-Kommission keine Zustimmung erhalten.

Blindsuche nach Atommülllager machen?

Blindsuche nach einem Atommüllendlager-Standort!

Warum nicht?

Wir anonymisieren einfach die Daten der über 200 Salzstöcke in Norddeutschland und bitten dann ein Dutzend international anerkannter Geologen, nach den Vorauswahlkriterien von 1983 und 1995 die 50 untersuchungswürdigsten Salzstöcke heraus zu finden.

Die Kriterien von 1983 und 1995 waren übrigens damals Stand von Wissenschaft und Technik und sollten ja in Zukunft höchstens verschärft und nicht abgeschwächt werden, von daher wäre die Auswahl eben nur eine grobe Vorauswahl, bevor man sich eingehender mit diesen geologischen Formationen befasst.

Was meinen Sie würde bei diesem Blindversuch herauskommen? Sie würden sich wundern, den Gorleben würde sich nicht unter den 50 „Besten“ befinden!

Wieso denn das? Wo doch immer gesagt wird, es gäbe keine Erkenntnisse, die gegen Gorleben sprächen?

Das ist ja richtig! Aber da Gorleben nie nach den allgemein gültigen geologischen Kriterien, die für die Auswahl anderer Standorte angelegt wurden, ausgewählt wurde, hat man diese Phase einfach übersprungen und die auf Gorleben nachträglich angewandten Kriterien einfach den dortigen Verhältnissen angepasst.

Und einmal im Salz, ist dieser Salzstock wirklich wunderschön salzig, wie übrigens 200 andere Salzstöcke auch! Es wird also heute nicht mehr danach gefragt, ob Gorleben überhaupt geologisch geeignet (untersuchungswürdig) ist, sondern nur, ob er denn nach bestimmten Rechenmodellen eine bestimmte Zeit lang so dicht hält, dass keine unzulässige Strahlenmenge an die Erdoberfläche kommt.

Wer dieser Logik  folgt, die auch im neuen Endlagersuchgesetz verfolgt wird, der macht den nächstbesten Salzstock zum Atommüllendlager (wie zuvor schon die ASSE) und nicht einen bestmöglichen Salzstock.

Woher wissen wir denn heute schon, wie der Blindversuch ausgehen würde, obwohl doch noch nie Gorleben geologisch verglichen wurde?

Nach der BGR-Salzstudie, bei der alle Salzstöcke (außer Gorleben) in den Alten und Neuen Bundesländern auf ihre Untersuchungswürdigkeit untersucht wurden, hat Greenpeace von einigen Geologen die gleichen Kriterien auf Gorleben anwenden lassen. Das Ergebnis war erschreckend! Gorleben wäre demnach niemals unter die untersuchungswürdigen Salzstöcke gekommen.

Bereits 1974 hat Prof. Lüttig, als damaliger Vizepräsident des Niedersachsischen Landesamtes für Bodenforschung, alle norddeutschen Salzstöcke (West) auf ihre Eignung untersucht. Gorleben landete in der schlechtesten Kategorie und wurde nicht weiter beachtet. Als Ministerpräsident Albrecht 1977  trotzdem Gorleben als Standort benannt hat, war Lüttig empört. Albrecht antwortete damals: „Ihr Geologen kommt später noch dran, das ist eine politische Entscheidung.!“

Alle Beweise, wie später die Kriterien an die Befunde von Gorleben angepasst wurden, sind in den Akten des Gorleben Untersuchungsausschusses zu finden.

Stichwörter für eine Fernsehreportage zu Gorleben und Endlagersuchgesetz

Stichworte für eine Fernsehreportage zu Gorleben und dem Endlagersuchgesetz

Es geht um die Frage, warum der Atommüll-Endlagerstandort Gorleben bei einem neuen bundesweiten Suchverfahren schon von vorneherein ausgeschlossen werden muss?

Diese Frage ist zentraler Streitpunkt zwischen dem Land Niedersachsen und dem Bundesumweltministerium. Durch die Erkenntnisse aus dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Bundestages, der im Frühsommer seinem Ende entgegen geht, spricht viel dafür, dass Gorleben geologisch nie ein geeigneter Standort war und sowohl politisch ausgewählt wurde, als auch über Jahrzehnte die Anforderungen an ein Endlager politisch an die Verhältnisse in Gorleben angepasst wurden.

Den krönenden Abschluss in dieser „Anpassungsfrage“ bildet jetzt das Endlagersuchgesetz von Umweltminister Altmaier. In diesem Gesetz werden im Verlauf der geplanten jahrzehntelangen Untersuchung von potentiellen Endlagerstandorten keine geologischen Kriterien mehr eingesetzt, die früher „Mindestkriterien“ waren und den Salzstock Gorleben ausschließen würden. Am Ende würde daher alles wieder auf den geologisch ungeeigneten Salzstock Gorleben hinaus laufen.

Um diese hochbrisante Frage für eine Fernsehreportage greifbar zu machen, gibt es eine Fülle von Material. Um das Thema nachvollziehbar für unbeteiligte Fernsehzuschauer zu halten, schlage ich vor, nur einen Gedankenstrang zu verfolgen:

Einstieg:

Die Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe (BGR) hat 1995 zwei Studien über alternative Endlagerstandorte fertig gestellt. Eine für Kristallingesteine und eine für Salzformationen. Uns interessiert besonders die Salzstudie. Da sie erstmals nach der Wende potentielle Salz- Endlagerstandorte in ganz Deutschland untersucht hat.  (Studie liegt vor)

Interviews:

1.      Mit z.B. Prof. Bräuer von der BGR, welche Ergebnisse die Studie hatte und warum damals die untersuchten Standorte nicht mit Gorleben verglichen werden durften.

2.      Mit Greenpeace z.B. Mathias Edler, warum Greenpeace dann doch von Geologen den Standort Gorleben mit den gleichen Kriterien der Studie untersuchen ließ und was dabei herauskam.

3.      Mit Geologen , z.B. Dr. Detlef Appel und Jürgen Kreusch, die dieses Thema seit langem bearbeiten und dazu vor dem Gorleben Untersuchungsausschuss ausgesagt haben.

4.      Mit dem Geochemiker Dr. Reto Giere, der über lange Zeit das Problem der Langzeitendlagerung von hochradioaktivem Atommüll international erforscht hat und nicht gehört wird, weil er nicht die in Deutschland dominierende Salzlinie vertritt. Frage, was ist besser als Salz?

Brisanter Punkt:

1995 war Dr. Angela Merkel Umweltministerin und hat eben jene Salzstudie, bei der jeder Vergleich mit Gorleben verboten war, der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie hat dabei bewusst gelogen. Dies wurde durch zahlreiche Dokumente im Untersuchungsausschuss belegt. Sie wollte die Öffentlichkeit beruhigen und hat ihre politische Entscheidung, bundesweit keine anderen Atommüllstandorte zu untersuchen, mit dem Ergebnis der BGR-Salzstudie begründet. Das ist pikant, weil diese einerseits ja mit keinem Wort Gorleben erwähnen oder vergleichen durfte und andererseits Gorleben ja als „nicht untersuchungswürdig“ herausgefallen wäre, wenn es damals verglichen worden wäre. (Dokumente liegen vor)

Auch zu diesem Punkt sind Interviews mit den im Untersuchungsausschuss federführenden Bundestagsabgeordneten möglich: Dr. Maria Flachsbarth (CDU), Ute Vogt (SPD), …. Brunkhorst (FDP), Dorothee Menzner (DIE LINKE) und Sylvia Kotting-Uhl (Bündnis 90/ Die Grünen)

Ein Interview dazu mit der Bundeskanzlerin wird vermutlich nicht zu Stande kommen. Sie hat die Medien dazu gemieden.

Schlussfolgerungen:

Interview mit Dr. Michael Mehnert, früher Mitarbeiter des BfS, er hat fundiert berechnet, dass in Deutschland 170 weitere Standorte untersucht werden müssten, wenn die schwachen Gorleben-Kriterien angewandt würden.

Interview mit Jochen Stay von Ausgestrahlt, warum Gorleben vor einem neuen bundesweitem Suchverfahren aus dem Topf muss.  Dazu stünden natürlich auch andere Vertreter der Bürgerinitiativen zur Verfügung und schließlich der neue Umweltminister von Niedersachsen Stefan Wenzel und sein Ministerpräsident Stefan Weil.

reportage

Ideen zur Nachnutzung von Gorleben

Tropische Salztherme Gorleben

Spaß, Wellness und Heilstollen im Salzstock Gorleben

Projektskizze für die Nachnutzung des ehemaligen Gorlebener Erkundungsbergwerkes

Dort wo ursprünglich einmal heißer, hochradioaktiver Atommüll gelagert werden sollte, könnte jetzt ein attraktives Projekt für Erlebnistourismus in Kombination mit untertägigen Heilstollen eingerichtet werden.

Sowohl die obertägigen Anlagen, wie Kantine, Umkleideräume, Büros etc., wie auch die Schächte, die Bewetterungsanlage und Teile der aufgefahrenen Salzstollen können hierfür mit genutzt werden, als auch viele der bisherigen Arbeitsplätze für Bergleute und sonstiges Personal erhalten werden.

Durch die verschiedenen bisher entstandenen Ebenen im Salzstock können laute Erlebnis- und Kinderorientierte Bereiche gut von ruhigen Wellness und Heilbereichen getrennt werden. Die Bereiche befinden sich in 820m, 840m und 930 m Tiefe, wobei der räumlich größte Bereich in 840m Tiefe mit einer Temperatur von etwa 38 Grad liegt, die durch die Bewetterung auf angenehmen Temperaturen gehalten wird.

Die Bereiche beinhalten:

Erlebnisbereich: längste Rutsche der Welt, Spaßbad mit Süßwasser, Kletterbereich, Salz-Schürf-Bereich, Restaurant und Festsaal für große Festgesellschaften

Wellnessbereich mit Übergang zum Heilbereich: Sauna Salzgrotten, Solebäder mit  verschiedenen Solekonzentrationen und Solesee mit gesättigter Sole. Massage, Masken, Peeling, Packungen und Beaty Bereich. Im Heilbereich werden auf Krankenschein und eigene Kosten Heilbehandlungen für Atemwegserkrankungen, Hautkrankheiten, Allergien und organische Beschwerden durchgeführt. In einem Schlaftrakt werden  Einzel- und Mehrbettzimmer für 50 Übernachtungsgäste eingerichtet, für die eine 24 Stunden-Behandlung förderlich ist. In einer Klang-Sole Kammer wird bei 37  Grad eine spezielle schwerelose Therapie angeboten.

Sanitärbereiche werden auf allen genutzten Ebenen eingerichtet. Größe und Kapazität der Salz-Erlebniswelt werden auf maximal 1000 Tagesbesucher ausgelegt, da der Engpass der Schachfahranlage einen größeren Massenbetrieb nicht zulässt.

Entsprechend muss das Eintrittsgeld so bemessen werden, dass er für Besucher noch erschwinglich ist, aber auch die Besonderheiten der Heil- und Erlebniswelt berücksichtigt. Die Preise für den Spaßbereich können zwischen 30 und 50 Euro, im Heilbereich ohne Übernachtung zwischen 50 und 100 Euro liegen. Bei 100.000 Besuchern pro Jahr kann mit einem Umsatz von 5 Mio. Euro gerechnet werden, wobei mehrtägige Sonderangebote zum Übernachten in der Region anregen sollten.

Nach der mehrjährigen Umbauphase kann mit einer Stammbelegschaft von mindestens 100 Personen gerechnet werden. – Je nach Bedarf und Nachfrage können die Heil- und Wellnessbereiche weiter ausgebaut werden. – Der Umbau sollte aus einem Entschädigungsfonds gezahlt werden.

Zum Vergleich im Großprojekt Tropical Islands, 60 km südlich von Berlin, werden 900.000 Besucher pro Jahr gezählt, im Salzbergwerk Wielicka bei Krakau, mit Heilstollen und Besucherbergwerk, sogar 1 Millionen Besucher pro Jahr.

Die Nadel im Heuhaufen finden!

12_11_Linke_Bilanz_PUA_Gorleben

Auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Einblicke in den Gorleben Untersuchungsausschuss            von Dieter Schaarschmidt

Bilanzen zum Gorleben Untersuchungsausschuss werden jetzt vielfach erstellt und verteilt. Ich verzichte daher darauf diese Berichte hier noch einmal zusammen zu fassen. Wer daran Interesse hat, findet im Anschluss die LINKS unter denen man sie im Internet findet.

Ich versuche hier einen Einblick zu geben, in das, was mir dort im parlamentarischen

Untersuchungsausschuss in Berlin aufgefallen ist, aus Sicht eines BI-Mitgliedes.

Ja, es waren die unermüdlichen Nachfragen und Kritiken von Seiten der BI, die Manipulationen am Zwischenbericht 1983 anprangerten und ebenso mit Ausdauer besonders von Seiten unserer Ur-Experten Heinrich Messerschmidt und Rudi Sprössel auf die heimliche und ungenehmigte Verschwenkung der Erkundungsbereiche hinwiesen. – Dies war der Hintergrund, der schließlich zur Einsetzung des Gorleben Untersuchungsausschusses führte.

Ich hatte zuvor schon ein wenig Erfahrung mit dem ASSE-Untersuchungsausschuss sammeln dürfen, weil ich als Mitarbeiter von unserem Landtagsabgeordneten Kurt Herzog, in Hannover plötzlich tausende Akten sichten durfte. Als der Gorleben PUA vor zweieinhalb Jahren gestartet wurde, war ich natürlich froh, auch bei diesem Thema, meinem Herzensanliegen, in Berlin als Fachreferent der LINKS-Fraktion und als Mitarbeiter der LINKEN Obfrau im Untersuchungsausschuss Dorotheé Menzner , mitwirken zu können.

Für uns von der Bürgerinitiative birgt so eine Arbeit die besondere Gefahr, in der Flut an Informationen unter zu gehen, da eigentlich jeder Aktenordner interessant erscheint. Mit dem Wissen der Gorleben-Geschichte im Hinterkopf, birgt jede Randnotiz eine kleine Sensation.

Wichtig war mir daher, allen Akten, die wir frei Haus geliefert bekamen, kritisch gegenüber zu bleiben und ständig zu Fragen, welche Akten könnte es noch geben, die uns nicht freiwillig heraus gegeben werden.

Denn auch heute noch werden Unterlagen, die bereits über 30 Jahre alt sind, geheim gehalten. Das Land Niedersachsen hat es sogar fertig gebracht, einige Akten, die bereits nach 30 Jahren aus der Geheimhaltung entlassen waren, für den Untersuchungsausschuss erneut als vertraulich einzustufen.

Auswahl aus über 12.000 Akten

Nachdem sich die Herausgabe der Gorleben Akten sehr schleppend gestaltet hat, geschah es,  dass der Untersuchungsausschuss z.T. die interessanten Akten erst bekam, nachdem der betreffende Zeuge bereits vernommen worden war. Um zur Beschleunigung beizutragen wurde vom Untersuchungsausschuss ein Ermittlungsbeauftragter eingestellt, der mit einer Hand voll Mitarbeitern die Aufgabe hatte, aus über 12.000 Akten im Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im ersten Schritt alle Akten heraus zu suchen, die Bezug zum Untersuchungsauftrag hatten. Im zweiten Schritt wurde aus diesen Akten ein Konzentrat gefertigt, zu Themen, die den PUA besonders interessierten.

1.800 Akten wurden schließlich an alle Fraktionen ausgeteilt. Vom Umweltministerium und vom Wirtschaftsministerium wurden immer wieder Vollständigkeitserklärungen vorgelegt. Diese wurden nach kürzester Zeit wiederrufen, weil auf gezielte Nachfrage doch noch wichtige Unterlagen gefunden wurden.

Doch wie sollten wir nach Unterlagen fragen, von deren Existenz wir nichts wissen konnten?

Bestes Beispiel waren die Unterlagen zur Gasexplosion bei Lenzen und den ganzen Erdgasbohrungen in der damaligen DDR. Da diese Akten aus der Zeit 1968 bis 1972 stammten, waren sie nicht im Untersuchungsauftrag enthalten. Und wenn unser verstorbenes BI-Mitglied Karl-Heinz Pfeiffer vom Höhbeck nicht jahrzehntelang hartnäckig nach dieser verheimlichten Gasexplosion gefragt hätte, wäre auch ich nicht auf die Idee gekommen, jetzt mit den Mitteln des PUA nach ihnen zu suchen. Aber erst als ich diese Akten in den alten DDR-Archiven gefunden hatte, konnten wir den Untersuchungsausschuss gemeinsam mit den Oppositionsfraktionen zur Aktenherausgabe auffordern. – In diesen über 70 Aktenordnern, die wir nach ca. einem Jahr bekamen, fehlte wiederum eine handkolorierte Landkarte über die Gashöffigkeit im Raum Lenzen. Dies konnte nur mir auffallen, weil ich zuvor selbst in dem Archiv war und dort illegal ein Foto dieser Karte gemacht hatte. Niemand sonst konnte diese Karte vermissen, die nach meinem Schreiben an das zuständige Wirtschaftsministerium, dann erstaunlich schnell nachgeliefert wurde. Und wen wundert es, die Karte zeigt, dass ausgerechnet unter Gorleben mit deutlich größeren Gasvorkommen zu rechnen ist, als bei Lenzen.

Merkel hat nicht gelogen, sie hat nur Schlimmeres verhütet!

Auf diesen Tag hatten alle Oppositionsfraktionen seit langer Zeit hin gefiebert und das muss man sagen, sich auch kollegial bestens gemeinsam vorbereitet. Doch wie es unsere heutige Bundeskanzlerin und damalige Umweltministerin geschafft hat, fast unbeschadet aus dieser Zeugenanhörung heraus zu kommen, ist schon erstaunlich.

Eindeutig der Lüge überführt und auch kein eigenes Wort bestreitend, hat Angela Merkel es geschafft, ihre weitreichende Lüge in eine Art Kavaliersdelikt umzumünzen. Die Salzstudie, die Merkel 1995 der Öffentlichkeit vorgestellt hatte, wurde von ihr in das glatte Gegenteil verkehrt. Und warum hat Merkel damals gelogen? Da stellt sie sich praktisch als Retterin der Nation dar. Doch wovor hat uns Merkel geschützt, nicht vor der nächsten Atom-Katastrophe, nein vor einem Flächenbrand in allen Bundesländern. Denn 1995 rumorte es schon ganz bedenklich, besonders im Süden und in Baden-Württemberg, wo Landtagswahlen anstanden. Dort waren es damals kristalline Gesteinsvorkommen, die ebenfalls auf ihre Eignung zur Atommülllagerung betrachtet wurden. Wäschekörbeweise gab es damals Proteste aus allen Regionen, die im Vorfeld schon als Ersatzstandorte für Gorleben kursierten. . Und wenn Merkel damals mit ihrer Lüge diesen Flächenbrand nicht gelöscht hätte, ja dann wäre wohlmöglich schon damals eine nationale Atommülldebatte ausgebrochen. Hätte wohlmöglich zur Abschaltung von Atomanlagen geführt und einen echten Neubeginn in der Atommüllfrage ermöglicht. – Wirklich ein Katastrophenszenario, dass es zu verhindern galt.

Auch im Falle der Merkel-Lüge befanden sich die belastendsten Dokumente nicht in den Akten, nein unser Praktikant hat sie gefunden, beim gründlichen Durchsuchen der Presse-Archive aus jener Zeit.

Ich glaube, auch wenn wir bei weitem nicht alle Fragen befriedigend klären konnten, so hat der Untersuchungsausschuss doch so viele belastende Unterlagen zu Tage gefördert, dass Gorleben spätestens vor Gericht endgültig gestoppt werden wird.

 

Hier die Gorleben-Bilanzen:

12_11_Linke_Bilanz_PUA_Gorleben.pdf

PUA-Bericht 90er.pdf

web_gorleben_nachhaltiger_fortschritt_10seiter.pdf

Foto: Rudi Sprössel und Heinrich Messerschmidt im Gespräch mit LINKEN MdB zur PUA-Vorbereitung.