Steiler Zahn und Einbruchsee schließen Gorleben aus!

Es war ein langer und anstrengender Tag, nicht nur für Marianne Fritzen und Prof. Klaus Duphorn, die ältesten Teilnehmer des Tages über den Gorleben Untersuchungsausschuss.
Eingeladen hatten das Gorleben Archiv, die Bäuerliche Notgemeinschaft und die Bürgerinitiative Umweltschutz.
Auftakt war am Samstag den 7. September eine Presse-Tour zu markanten Gorleben-Punkten, die im Gorleben Untersuchungsausschuss eine wichtige Rolle gespielt haben, aber in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt sind.
Prof. Duphorn und sein Kollege Uwe Schneider hatten sich bereit gefunden, diese 4-stündige Tour fachlich zu begleiten. Wobei auch manche Anekdoten aus der 35 jährigen Gorleben Geschichte zu Tage traten. So schmunzelten die beiden Geologen, wie denn der Begriff „Steiler Zahn“ vor Jahrzehnten bei einem Mittagessen unter Geologen kreiert wurde. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die höchste Erhebung des Salzstockes, bis 133 m unter die Erdoberfläche. Der Steile Zahn befindet sich etwa dort, wo heute die Salzhalde steht. Auch an mehreren großflächigen Stellen reicht der Salzstock bis 160 oder 180 m unter die Erdoberfläche. Dies ist in sofern wichtig, weil im Untersuchungsausschuss ein handschriftliches Protokoll vorgelegt wurde, in dem der Geologe Dr. Jaritz die Kriterien für einen Vergleich von Salzstöcken ändern wollte, weil sonst wichtige Salzstöcke rausfallen würden. Er ließ damals die Deckgebirgsteufe von mindestens 250 m auf 200 m verringern und schlug vor nicht mehr von Vorauswahlkriterien, sondern von Gesichtspunkten zu sprechen. Trotz der unter 200 m liegenden Teufe blieb dann Gorleben trotzdem im Rennen, andere Salzstöcke mit ähnlicher Teufe flogen raus.
Besonders eindrucksvoll war für die Exkursionsteilnehmer der Besuch der Punkte im Raum Lenzen. Im Untersuchungsausschuss war eine gefälschte Kartendarstellung in den Akten des Bundeskanzleramtes gefunden worden, wonach der Salzstock nur mit einem kleinen Zipfel in die damalige DDR hinein ragte. Nachprüfungen ergaben, dass nach diesen gefälschten Angaben der Salzstock genau vor der explodierten Gasbohrung bei Lenzen geendet hat. Diese Mähr war im Westen auch über lange Zeit aufrecht erhalten worden. Sie sollte schon 1976 dazu dienen, den Salzstock trotz der damals bereits bekannten Erdgasbohrungen und Erdgasvorkommen, in die nähere Wahl zu nehmen. Dies belegt eine geheime Kabinettsvorlage vom Dezember 1976. Die Nachforschungen des Ausschusses, wer denn für diese Fälschung verantwortlich war, blieb ergebnislos. Erst jetzt ist eine alte Karte aus den Antragsunterlagen der DWK vom März 1977 aufgetaucht, in der erstmals der Salzstock mit genau diesen Umrissen abgebildet war.
Die Verleugnung des östlichen Salzstockteils hatte noch einen anderen Grund, denn der 15 km in den Osten hinein ragende Salzstock hatte an seiner Oberfläche einen 4 km langen Einbruchsee, den Rudower See. Dieser See ist vor 13.000 Jahren genauso entstanden , wie der Arendsee, nämlich durch Auswaschung des Salzes im tiefen Untergrund und dem folgenden Einbruch des Deckgebirges, die dann zur Seebildung führte.- Und solche Salzstöcke mit Einbruchsee wurden nach Angaben des Gutachters und Zeugen Dr. Krull im Ausschuss, grundsätzlich nicht für Atommülllager in Betracht gezogen.

Prof. Klaus Duphorn erläutert am Rudower See den Einbruch des Deckgebirges. (Foto: D.Schaarschmidt)


Um 15 Uhr wurde in öffentlicher Veranstaltung im Gildehaus in Lüchow eine Podiumsdiskussion mit Zeugen und Experten aus dem Untersuchungsausschuss geführt. Trotz des hervorragenden Wetters war diese mit über 80 Teilnehmern sehr gut besucht. Das Resümee der vier Geologen Duphorn, Grimmel, Schneider und Kleemann war einhellig. Gorleben ist unbrauchbar, tot oder wissenschaftlich delegitimiert! Nur in Details wird mehr Wert auf das fehlende Deckgebirge oder die Gasvorkommen gelegt. Im norddeutschen Bereich, wo in den nächsten 1 Millionen Jahren mit mindestens 10 weiteren Eiszeiten gerechnet werden muss, wird Salz von allen Geologen gänzlich ausgeschlossen.
Graf Andreas von Bernstorff und Marianne Fritzen, die ebenfalls ihre Eindrücke aus dem Untersuchungsausschuss schilderten, wurden persönlicher. Bernstorff hatte ein an sachlicher Aufklärung interessiertes Gremium erwartet und war entsetzt, dass von Seiten der CDU nur persönliche Angriffe gegen ihn gestartet wurden, die vom eigentlichen Thema ablenken sollten. Offensichtlich habe die CDU mit seiner bürgerlichen Herkunft ein Problem, da sie ihn nicht als „Krawallmacher“ abstempeln könnte. So versuchte die CDU immer wieder den Eindruck zu erwecken, der Graf gäbe nach Außen den Atomkraftgegner vor, wäre aber heimlich der größte Profiteuer der Atomanlagen. Am Schlimmsten fand Bernstorff aber die Tatsache, dass seine Erklärungen, dass es sich bei den Entschädigungen, die er für Naturschutzausgleichsmaßnahmen und beschädigte Wege erhalte, um einen reinen Schadensausgleich handele, gar nicht wahrgenommen wurde. So wurde er schließlich sogar in der abschließenden Plenardebatte des Bundestages ähnlich verleumdet.

Expertengespräch moderiert von Asta von Oppen, mit Andreas Graf von Bernstorff, Dr. Ulrich Kleemann und Prof. Eckhard Grimmel (Schneider und Duphorn nicht im Bild). (Foto: D.Schaarschmidt)
Marianne Fritzen, die gleich zu Anfang betont hatte, dass es sich bei dieser Veranstaltung um die letzte große Veranstaltung handele, die sie mit vorbereitet hat, berichtete über die Gorleben Kommission und die Repressionen gegen Atomkraftgegner von Anfang an.
Die Frage nach den Konsequenzen aus dem Untersuchungsausschuss auch für das gleichzeitig im Bundestag verabschiedete neue Standortsuchgesetz, war unterschiedlich. Mehrheitlich wurde dafür plädiert, Gorleben nicht ein neues Suchverfahren mit aufzunehmen. Lediglich Dr. Ulrich Kleemann zeigte sich optimistisch, dass Gorleben im neuen Suchverfahren ausscheiden wird. Er wird aller Voraussicht nach als Einziger der Anwesenden in der neuen Endlagerkommission vertreten sein.

Marianne Fritzen stellt die Bundestagsabgeordneten Eckhard Pols (CDU), Kirsten Lühmann (SPD), Moderator Jürgen Voges, Dorothea Steiner (Grüne) und Johanna Voß (Linke) vor. (Foto: Dominique Chasseriaud)


Vor der Podiumsdiskussion am Abend, zu der Bundestagsabgeordnete von CDU, SPD, Linken und Grünen gekommen waren, hatte Wolfgang Ehmke auf die Vorgeschichte des Untersuchungsausschusses hingewiesen. Durch Nachforschungen der Bürgerinitiative war der Stein überhaupt erst ins Rollen gekommen. Der CDU Abgeordnete Eckhard Pols hat seinen Wunsch geäußert, Gorleben möge doch endlich zu Ende erkundet werden. Er überlasse alles der Wissenschaft und habe selber eigentlich keine Meinung dazu. Kirsten Lühmann (SPD) und Dorothea Steiner (Grüne)verteidigten ihre Position, nach der sie sich persönlich zwar ein Ausscheiden des ungeeigneten Salzstockes Gorleben aus dem neuen Suchverfahren gewünscht hätten, aber um den Konsens nicht zu gefährden, einem Verbleib Gorlebens zugestimmt haben.
Allein die hiesige Abgeordnete Johanna Voß von den Linken konnte eine Übernahme vder BI-Position vermelden, wonach es einem neuen Suchverfahren die Grundlage entzieht, wenn der Zankapfel Gorleben im Verfahren verbleibt.

Was fehlt im Bericht des Gorleben Untersuchungsausschusses?

unter dieser Rubrik möchte ich Dokumente und Themen veröffentlichen, die aus irgend welchen Gründen nicht so ausführlich oder gar nicht im Abschlussbericht erwähnt werden.
Hier eine vorläufige Liste:
Atommüllmenge und Endlagervolumen
Der Steile Zahn von Gorleben und die Anpassung der Kriterien

Dokument eines kritischen Geologen
weitere Themen folgen…
Zur Frage der Atommüllmenge und des dafür benötigten Endlagervolumens
Im Bewertungsteil der CDU/FDP wird diese Frage kritisiert, aber keine Antwort gegeben:
Zu Punkt III. Falsche Vorhalte bei Zeugenvernehmungen (im Bewertungsteil von CDU/CSU und FDP)
Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Vehemenz aus einer berechtigten Frage der Abgeordneten Dorotheé Menzner (DIE LINKE) an den Zeugen Gerald Hennenhöfer, die Regierungsfraktionen versuchen einen falschen Vorhalt zu konstruieren.
Für uns stellt sich dadurch die Frage, von welchem Sachverhalt hier mit diesem Feuerwerk abgelenkt werden soll? Offenbar ist die Frage der anfallenden Atommüllmenge und des dafür im Salzstock Gorleben zur Verfügung stehenden Lagervolumens ein sehr sensibles Thema.
Da weder durch die Antwort des Zeugen Gerald Hennenhöfer, noch durch die Ergänzung des Beauftragten der Bundesregierung die Frage zufriedenstellend beantwortet wurde und auch später durch die Antwort der Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Dorotheé Menzner nicht wirklich geklärt wurde, versuchen wir mit Hilfe intensiven Aktienstudiums der Antwort näher zu kommen.
Grundfrage war die Diskrepanz zwischen den 1,1 Mio. m3 nutzbares Einlagerungsvolumen des Endlagers Gorleben, wie Hennenhöfer sie in seinem Positionspapier vom 28.März 1995 genannt hatte, zu den 70 Mio. m3 erforderliche Endlagergröße, wie sie in der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Ursula Schönberger vom 16.10.1996 genannt worden waren.
Begriffsklärung:
Atommüllvolumen beschreibt das Abfallvolumen, inklusive Verpackung, zumindest bei schwach und mittelaktivem Atommüll in Kubikmetern.
Nutzbares Einlagerungsvolumen eines Endlagers scheint den Lagerraum eines Endlagers in Kubikmetern zu benennen, ohne die Sicherheitsabstände zwischen den Lagerräumen und zu den Endlageraußengrenzen. Im Falle von schwach- und mittelaktivem Atommüll, wie er für Schacht Konrad vorgesehen ist, ist das Einlagerungsvolumen fast identisch mit dem Abfallvolumen, da diese dicht gestapelt werden kann.
Und unter Endlagervolumen wird nach Auskunft von Staatssekretärin Heinen-Esser das Gesamtwirtsgestein zur Aufnahme eines funktionsfähigen Endlagers verstanden. Also das Gebirgsvolumen in Kubikmetern, inklusive der Einlagerungsräume und der Sicherheitsabstände.
Beim Hochaktiven Atommüll kommen noch zusätzliche Begriffe hinzu:
TGV in m3 = bezeichnet das Transportgebindevolumen, mit dem bei HAW Müll bei der Streckenlagerung gerechnet wird. Da beim HAW-Müll das Transportgebinde (TGV) ein erheblich größeres Volumen und Gewicht einnimmt, als der HAW-Müll selbst, ist die Größe TGV nicht identisch mit der Menge des HAW-Mülls, der in der Regel in t SM (Tonnen Schwermetall) angegeben wird.
t SM (Tonnen Schwermetall) = bezeichnet die abgebrannte Brennelementmenge in Tonnen Gewichtseinheit, die jedes Jahr beim Betrieb der Atomreaktoren anfällt. In einem CASTOR-Behälter mit einem Leergewicht von 120 t werden z.B Brennelemente mit 6 t SM transportiert.
Da diese Brennelemente und ihre Behälter über Jahrhunderte heiß sind, wird bei ihrer Endlagerung, je nach Wirtsgestein, ein großer Abstand zwischen den Behältern vorgesehen, so dass tatsächlich bei HAW-Müll eine große Differenz zwischen dem eigentlichen Atommüllvolumen und dem dafür benötigten Endlagervolumen besteht. Daher benötigt die volumenmäßig kleine Menge HAW-Müll ein wesentlich größeres Endlagervolumen, als der volumenmäßig große Anteil an schwach und mittelaktivem Atommüll, der dicht gepackt werden kann.
Die spannende Frage bleibt, wie wurde das benötigte Endlagervolumen von 70 Mio. Kubikmetern berechnet? Und ist dieses Volumen z.B. im bisher angedachten Nordostteil des Salzstockes Gorleben unterzubringen? – Im Positionspapier von Hennenhöfer wurde sicher noch von der Nutzung des gesamten Salzstockes ausgegangen, aber auch die Sicherheitsabstände zu Anhydritsträngen und anderen Gefahrenbereichen schränken das nutzbare Endlagervolumen ein. So war es sicher eine Erleichterung, dass über Nacht, durch den angedachten Atomausstieg, das prognostizierte Atommüllvolumen halbiert wurde.
In den Akten finden sich verschiedene Rechenverfahren zur Errechnung des benötigten Endlagervolumens für den HAW-Müll. Bezogen auf die Einlagerung im Wirtsgestein Salz gibt das BfS in seiner Zuarbeit für die Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Ursula Schönberger am 31.10.1996 folgende handschriftlich ergänzte Rechenformel an:
Die Bundesregierung geht derzeit bei ihrer Grobplanung von einem erforderlichen Endlagervolumen in der Größenordnung 70 Mio. m3 aus. * 2.700 m3/t SM Salzvolumen, bei ca. 25.000 t SM
Das bedeutet, das BfS hat eine Formel erarbeitet, nach der pro t Schwermetall etwa 2.700 m3 Salzvolumen benötigt werden. Multipliziert mit den prognostizierten 25.000 t SM bis zum Jahre 2080, ergibt dies 67.500.000 m3 Salzvolumen (Endlagervolumen). Akten-Nachweis: MAT E 7 Band 28 pag. 371
Da dies etwa der Zahl 70 Mio. m3 Endlagervolumen entspricht, wäre dies eine plausible Erklärung.
Wie das BfS zu seiner Rechenformel kommt, wird nicht näher erläutert, es findet sich in den Akten aber in der Fortschreibung des Zwischenberichtes zu Gorleben, vom Mai 1983 im Kapitel Endlagerplanung eine Beispielrechnung.
„Die Einlagerungskammern mit ca. 200 m Länge und 40 m2 Streckenquerschnitt besitzen ein Einlagerungsvolumen von 8.000 m3 pro Kammer. Die Festen (Abstände Anm.Red.) zwischen den Einlagerungskammern werden auf 14 m, die zwischen den einzelnen Einlagerungsfeldern auf 30 m bemessen.“ Aus der Zeichnung ist ersichtlich, dass die Kammern 7 m breit und 6 m hoch sind. Dies sind Angaben für die sogenannte Streckenlagerung. Hier werden die TGV liegend hintereinander in den Kammern gelagert.
Für die ebenfalls berechnete Bohrlochlagerung wird angegeben: „Die Bohrlochstrecken für die Einlagerung von Kokillen, werden zwischen Abfalltransport- und Salztransportstrecke 50 m, die für die Faßgebindelöcher in 20 m Abstand aufgefahren. Unter bestimmten Voraussetzungen werden die Faßgebindelöcher vom Hauptanhydrit-/bzw. Carnalitflöz mindestens 75 m, die Kokillenlöcher 100 m entfernt sein.“ Akten-Nachweis: MAT A 81 Band 1 pag. 0481- 0484
Die Streckenlagerung für abgebrannte Brennelemente zu Grunde gelegt, bei einer Behälterlänge von 6m mit überschlägig 6 t SM, gehen wir von 1 t SM pro m Einlagerungsstrecke aus. Wenn ich einen Abstand von 14 m seitlich zwischen den Strecken übernehme und als Abstand zwischen den Einlagerungsetagen 20 m ansetze, so komme ich 21m x 26 m auf 546 m3 Salzvolumen pro t SM. Die bleibende Differenz zu den 2.700 m3/ t SM des BfS liegt eventuell in den Sicherheitsabständen am Rand. Jedenfalls würden die 25.000 t SM im Salzstock Gorleben bei der Streckenlagerung mindestens 25.000 laufende m an Einlagerungskammern benötigen, oder 125 Kammern von 200 m Länge.
Wie passt dies jetzt mit den 1,1 Mio. cbm nutzbares Einlagerungsvolumen von Herrn Gerald Hennenhöfer zusammen? Die Abfallmengenerhebung von Herrn Dr. Bräuer, vom Mai 1995 ergibt nach „Szenario 2: DE nach WA (SA) (direkte Endlagerung nach Ende der Wiederaufbereitung Anm. Red.) bei 50 Jahre Betrieb der bestehenden KKW bis zum Jahre 2080“:
LAW und MAW (leicht und mittelaktive Abfälle Anm. Red.) 420-520.000 m3 TGV
Für MAW (Q)/HAW/BE 60- 80.000 m3 TGV
Wenn wir für die LAW und MAW –Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung davon ausgehen, dass ihr Abfallvolumen in etwa dem nutzbaren Endlagervolumen entspricht, so blieben von den 1,1 Mio. cbm, abzüglich ca. 500.000 cbm TGV LAW + MAW noch etwa 600.000 cbm nutzbares Endlagervolumen für die HAW. Da ich bei der Streckenlagerung abgebrannter Brennelemente nur 1m Behälterlänge mit 1-2 m Behälterdurchmesser pro Streckenmeter mit 40 m2 Querschnitt lagern kann, komme ich auf ein etwa 20-faches Verhältnis von 1 m3 TGV zu 20 m3 Streckenvolumen. Bei kompletter Streckenlagerung könnte ich in den 600.000 m3 nutzbares Endlagervolumen dann nur etwa 30.000 m3 TGV lagern. Da voraussichtlich damit gerechnet wird, einen großen Teil der Kokillen und der stärker wärmeentwickelnden Fassgebinde in Bohrlöchern zu lagern, bei denen das nutzbare Einlagerungsvolumen besser ausgenutzt wird, z.B. im Verhältnis 1:2, wäre es denkbar, dass die 1,1 Mio. m3 irgendwie zu der von Bräuer berechneten Abfallmenge passen.
Es bleibt darauf hinzuweisen, dass für jedes Wirtsgestein diese Berechnungen, wegen ihres unterschiedlichen Wärmeverhaltens anders aussehen.
Ganz wunderbar wäre, wenn uns Herr Hennenhöfer oder eine andere Berechnung in den Akten, eine solche oder ähnliche nachvollziehbare Berechnung geliefert hätte.
Es scheint, als ob die Regierungsfraktionen mit ihrer heftigen Reaktion auf die Frage nach den Abfallmengen und Endlagervolumina davon ablenken wollen, dass der mengenmäßig kleine Anteil hochradioaktiven Atommülls eben doch den größten Teil des Endlagervolumens benötigt und dieser auf Grund der geologisch schwierigen Verhältnisse in Gorleben dort nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden kann.

Ideen zur Nachnutzung von Gorleben

Tropische Salztherme Gorleben

Spaß, Wellness und Heilstollen im Salzstock Gorleben

Projektskizze für die Nachnutzung des ehemaligen Gorlebener Erkundungsbergwerkes

Dort wo ursprünglich einmal heißer, hochradioaktiver Atommüll gelagert werden sollte, könnte jetzt ein attraktives Projekt für Erlebnistourismus in Kombination mit untertägigen Heilstollen eingerichtet werden.

Sowohl die obertägigen Anlagen, wie Kantine, Umkleideräume, Büros etc., wie auch die Schächte, die Bewetterungsanlage und Teile der aufgefahrenen Salzstollen können hierfür mit genutzt werden, als auch viele der bisherigen Arbeitsplätze für Bergleute und sonstiges Personal erhalten werden.

Durch die verschiedenen bisher entstandenen Ebenen im Salzstock können laute Erlebnis- und Kinderorientierte Bereiche gut von ruhigen Wellness und Heilbereichen getrennt werden. Die Bereiche befinden sich in 820m, 840m und 930 m Tiefe, wobei der räumlich größte Bereich in 840m Tiefe mit einer Temperatur von etwa 38 Grad liegt, die durch die Bewetterung auf angenehmen Temperaturen gehalten wird.

Die Bereiche beinhalten:

Erlebnisbereich: längste Rutsche der Welt, Spaßbad mit Süßwasser, Kletterbereich, Salz-Schürf-Bereich, Restaurant und Festsaal für große Festgesellschaften

Wellnessbereich mit Übergang zum Heilbereich: Sauna Salzgrotten, Solebäder mit  verschiedenen Solekonzentrationen und Solesee mit gesättigter Sole. Massage, Masken, Peeling, Packungen und Beaty Bereich. Im Heilbereich werden auf Krankenschein und eigene Kosten Heilbehandlungen für Atemwegserkrankungen, Hautkrankheiten, Allergien und organische Beschwerden durchgeführt. In einem Schlaftrakt werden  Einzel- und Mehrbettzimmer für 50 Übernachtungsgäste eingerichtet, für die eine 24 Stunden-Behandlung förderlich ist. In einer Klang-Sole Kammer wird bei 37  Grad eine spezielle schwerelose Therapie angeboten.

Sanitärbereiche werden auf allen genutzten Ebenen eingerichtet. Größe und Kapazität der Salz-Erlebniswelt werden auf maximal 1000 Tagesbesucher ausgelegt, da der Engpass der Schachfahranlage einen größeren Massenbetrieb nicht zulässt.

Entsprechend muss das Eintrittsgeld so bemessen werden, dass er für Besucher noch erschwinglich ist, aber auch die Besonderheiten der Heil- und Erlebniswelt berücksichtigt. Die Preise für den Spaßbereich können zwischen 30 und 50 Euro, im Heilbereich ohne Übernachtung zwischen 50 und 100 Euro liegen. Bei 100.000 Besuchern pro Jahr kann mit einem Umsatz von 5 Mio. Euro gerechnet werden, wobei mehrtägige Sonderangebote zum Übernachten in der Region anregen sollten.

Nach der mehrjährigen Umbauphase kann mit einer Stammbelegschaft von mindestens 100 Personen gerechnet werden. – Je nach Bedarf und Nachfrage können die Heil- und Wellnessbereiche weiter ausgebaut werden. – Der Umbau sollte aus einem Entschädigungsfonds gezahlt werden.

Zum Vergleich im Großprojekt Tropical Islands, 60 km südlich von Berlin, werden 900.000 Besucher pro Jahr gezählt, im Salzbergwerk Wielicka bei Krakau, mit Heilstollen und Besucherbergwerk, sogar 1 Millionen Besucher pro Jahr.

Katja Kipping am Erkundungsbergwerk Gorleben

Katja Kipping hat auf ihrer Sommertour das „noch“ Erkundungsbergwerk Gorleben besucht. Sie hat deutlich gemacht, dass die LINKE auf allen Ebenen klare Positionen zum Ende von Gorleben vertritt. Der Salzstock wurde nicht nur abenteuerlich ausgewählt, er ist auch von Anfang an geologisch ungeeignet gewesen. Wenn er nicht politisch gewollt gewesen wäre, hätte er es nie in ein Untersuchungsprogramm geschafft. Wie die offiziellen Studien der BGR (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) belegen, ist dieser seit 30 Jahren teuer untersuchte Salzstock noch nicht einmal untersuchungswürdig. Hier ein paar Fotos vom Sonntagsspaziergang um das Gorlebener Salzbergwerk. Mit dabei sind Dorothée Menzner, Johanna Voß, Kerstin Rudek und Kurt Herzog.

Steinkemper vor Untersuchungsausschuss

Zeuge berichtet über Atompolitik der 1990er Jahre
1. Untersuchungsausschuss (Gorleben) – 29.06.2012
Berlin: (hib/JR) Vor dem Gorleben-Untersuchungsausschuss hat der Zeuge Hubert Steinkemper am Donnerstagnachmittag über die Atompolitik verschiedener Kabinette ausgesagt. „Beim Thema Kernenergie konnte ich keinen Unterschied feststellen“, sagte der 65-Jährige mit Blick auf den Regierungswechsel im Jahr 1982 von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) zu Helmut Kohl (CDU). 1980 hatte Steinkemper im Rechtsreferat des Bundesinnenministeriums gearbeitet. Zwischen 1994 und 1999 leitete er im Bundesumweltministerium (BMU) die Unterabteilung zur Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen.

Der heutige Abteilungsleiter im BMU berichtete ferner über die Gespräche zwischen Regierungsvertretern und Energieversorgungsunternehmen in den 1990er Jahren. „Aus Sicht der Bundesregierung galten die Entsorgungsgrundsätze“, sagte Steinkemper, „und dazu gehört auch die Perspektive Endlagerung“. Aus der Industrie kamen damals Überlegungen, den Entsorgungsvorsorgenachweis und die Erkundung in Gorleben inhaltlich voneinander zu trennen.

Der Erste Untersuchungsausschuss geht der Frage nach, ob es bei der Entscheidung der Bundesregierung, sich bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll im Jahr 1983 auf den Standort Gorleben zu beschränken, zu politischen Einflussnahmen oder Manipulationen gekommen ist.

Schließlich befragten die Abgeordneten Steinkemper zu einem Positionspapier zur weiteren Entwicklung der friedlichen Nutzung der Kernenergie aus dem Jahr 1995. „Es läge nahe, dass ich dieses Papier damals gesehen habe“, sagte er. „Aktive Erinnerung aus heutiger Sicht habe ich aber nicht.“ Nach Lektüre des Papiers sagte Steinkemper, an verschiedenen Passagen komme er zum Ergebnis, dass vieles dafür spreche, dass er nicht der Verfasser gewesen sei.

Angesprochen wurde auch ein Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ aus dem Jahr 1995, der Steinkemper als „Hardliner“ unter der damals neuen Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete. „Über den Artikel habe ich mich damals sehr geärgert“, sagte Steinkemper. „Die Aussage, die Hardliner würden fröhliche Urstände feiern, die unter dem vorherigen Bundesumweltminister Klaus Töpfer schon als Dissidenten galten, trifft schlicht nicht zu.“

Auch unterwegs aktuell informiert mit der kostenlosen App „Deutscher Bundestag“ und unter m.bundestag.de.

Gorleben war nicht 1. Wahl

Zeuge Dr. Paul Krull vor dem Untersuchungsausschuss 26.04.2012

Dr. Paul Krull vor dem Gorleben Untersuchungsausschuss.

Am Donnerstag den 26. April sagte der Geologe Dr. Krull vor dem Gorleben Untersuchungsausschuss aus. Krull war einer von zwei Autoren, einer Studie zu alternativen Salzstandorten, die vom Bundesumweltministerium beauftragt worden war. 1995 war das Ergebnis der Studie von der damaligen Umweltministerin Merkel der Öffentlichkeit mit den Worten vorgestellt worden: „Gorleben bleibt 1. Wahl“  Diese Aussage wurde von allen Fraktionen des Bundestages mit besonderer Aufmerksamkeit dem Zeugen Krull vorgehalten, weil Gorleben in dieser Studie überhaupt nicht untersucht wurde und nach Anweisung durch Vorgesetzte auch nicht mit den anderen Salzstöcken verglichen werden durfte. So weicht Krull denn auch der Frage aus, was passiert wäre, wenn man Gorleben mit den anderen Standorten verglichen hätte: „Unser Auftrag war nicht, diese Salzstöcke mit Gorleben zu vergleichen. Ein direkter Vergleich verbot sich.“ –  Wenn er jedoch die Daumenschrauben angelegt bekäme und den Vergleich mit Gorleben vornehmen sollte, dann bekäme Gorleben zwar nicht die Farbe grün, aber doch wohl gelb und wäre damit seiner Meinung nach noch untersuchungswürdig.

Mit dieser Aussage bestätigt der auf die ostdeutschen Salzstöcke spezialisierte Ost-Geologe zumindest nicht die Aussage von Merkel, Gorleben sei 1. Wahl und alle anderen Salzstöcke seien entweder schlechter oder gleich gut wie Gorleben.

Vor seiner Tätigkeit für die BGR (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) hatte Krull lange Jahre für das ZGI (Zentrale Geologische Institut) der DDR im Bereich zur Genese von Erdgaslagerstätten gearbeitet. Er bestätigte auch, dass der poröse Sandstein im Bereich des Rotliegenden hier in Norddeutschland überall potentiell Erdgas führend sei. Für den Bereich Gorleben ging er jedoch davon aus, dass die DDR ihre Erdgasbohrungen in den 70iger Jahren deshalb eingestellt hätten, weil die Erdgasvorkommen bei Lenzen nicht wirtschaftlich erschließbar waren.

Im Übrigen war es ihm eine Selbstverständlichkeit, dass der Salzstock Gorleben-Rambow eine durchgängige Struktur sei. Die Anmerkung der Abgeordneten Dorothée Menzner (DIE LINKE), dass dies von westlichen Geologen lange angezweifelt wurde, konterte Krull mit der lakonischen Bemerkung:  „Natürlich ist dies eine durchgängige Struktur, warum sollte die nicht über die Grenze gehen.“

Bereits 1991  hatte Krull als seine erste Tätigkeit für die BGR eine Salzstudie über alle auf dem ehemaligen Gebiet der DDR gelegenen Salzstöcke gemacht, die auch der Suche nach Lagerstätten für hochradioaktiven Atommüll dienen sollte. Auf die Frage der Abgeordneten Johanna Voß (DIE LINKE), warum damals der Ostteil, des Salzstockes Gorleben-Rambow nicht in die engere Wahl der geeigneten Salzstöcke gekommen sei, stellte Krull fest. „ Rambow schied aus wegen dem Einbruchsee, dem Rudower See, der genau über dem Salzstock liegt. Wir haben damals keinen Salzstock mit einem Einbruchsee in die engere Wahl genommen.“ Zu den Fragen von Voß zur Barrierefunktion des Deckgebirges bei Gorleben äußerte Krull: „ Es wäre natürlich ideal, wenn Gorleben keine Rinne hätte und es eine geschlossene Deckschicht vorhanden wäre. Er hielt diese Kriterien aber nicht für entscheidende Kriterien. Allerdings sollten die Alternativen zu Gorleben nicht wieder eine Rinne aufweisen, sondern besser sein als Gorleben.“