Steiler Zahn und Einbruchsee schließen Gorleben aus!

Es war ein langer und anstrengender Tag, nicht nur für Marianne Fritzen und Prof. Klaus Duphorn, die ältesten Teilnehmer des Tages über den Gorleben Untersuchungsausschuss.
Eingeladen hatten das Gorleben Archiv, die Bäuerliche Notgemeinschaft und die Bürgerinitiative Umweltschutz.
Auftakt war am Samstag den 7. September eine Presse-Tour zu markanten Gorleben-Punkten, die im Gorleben Untersuchungsausschuss eine wichtige Rolle gespielt haben, aber in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt sind.
Prof. Duphorn und sein Kollege Uwe Schneider hatten sich bereit gefunden, diese 4-stündige Tour fachlich zu begleiten. Wobei auch manche Anekdoten aus der 35 jährigen Gorleben Geschichte zu Tage traten. So schmunzelten die beiden Geologen, wie denn der Begriff „Steiler Zahn“ vor Jahrzehnten bei einem Mittagessen unter Geologen kreiert wurde. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die höchste Erhebung des Salzstockes, bis 133 m unter die Erdoberfläche. Der Steile Zahn befindet sich etwa dort, wo heute die Salzhalde steht. Auch an mehreren großflächigen Stellen reicht der Salzstock bis 160 oder 180 m unter die Erdoberfläche. Dies ist in sofern wichtig, weil im Untersuchungsausschuss ein handschriftliches Protokoll vorgelegt wurde, in dem der Geologe Dr. Jaritz die Kriterien für einen Vergleich von Salzstöcken ändern wollte, weil sonst wichtige Salzstöcke rausfallen würden. Er ließ damals die Deckgebirgsteufe von mindestens 250 m auf 200 m verringern und schlug vor nicht mehr von Vorauswahlkriterien, sondern von Gesichtspunkten zu sprechen. Trotz der unter 200 m liegenden Teufe blieb dann Gorleben trotzdem im Rennen, andere Salzstöcke mit ähnlicher Teufe flogen raus.
Besonders eindrucksvoll war für die Exkursionsteilnehmer der Besuch der Punkte im Raum Lenzen. Im Untersuchungsausschuss war eine gefälschte Kartendarstellung in den Akten des Bundeskanzleramtes gefunden worden, wonach der Salzstock nur mit einem kleinen Zipfel in die damalige DDR hinein ragte. Nachprüfungen ergaben, dass nach diesen gefälschten Angaben der Salzstock genau vor der explodierten Gasbohrung bei Lenzen geendet hat. Diese Mähr war im Westen auch über lange Zeit aufrecht erhalten worden. Sie sollte schon 1976 dazu dienen, den Salzstock trotz der damals bereits bekannten Erdgasbohrungen und Erdgasvorkommen, in die nähere Wahl zu nehmen. Dies belegt eine geheime Kabinettsvorlage vom Dezember 1976. Die Nachforschungen des Ausschusses, wer denn für diese Fälschung verantwortlich war, blieb ergebnislos. Erst jetzt ist eine alte Karte aus den Antragsunterlagen der DWK vom März 1977 aufgetaucht, in der erstmals der Salzstock mit genau diesen Umrissen abgebildet war.
Die Verleugnung des östlichen Salzstockteils hatte noch einen anderen Grund, denn der 15 km in den Osten hinein ragende Salzstock hatte an seiner Oberfläche einen 4 km langen Einbruchsee, den Rudower See. Dieser See ist vor 13.000 Jahren genauso entstanden , wie der Arendsee, nämlich durch Auswaschung des Salzes im tiefen Untergrund und dem folgenden Einbruch des Deckgebirges, die dann zur Seebildung führte.- Und solche Salzstöcke mit Einbruchsee wurden nach Angaben des Gutachters und Zeugen Dr. Krull im Ausschuss, grundsätzlich nicht für Atommülllager in Betracht gezogen.

Prof. Klaus Duphorn erläutert am Rudower See den Einbruch des Deckgebirges. (Foto: D.Schaarschmidt)


Um 15 Uhr wurde in öffentlicher Veranstaltung im Gildehaus in Lüchow eine Podiumsdiskussion mit Zeugen und Experten aus dem Untersuchungsausschuss geführt. Trotz des hervorragenden Wetters war diese mit über 80 Teilnehmern sehr gut besucht. Das Resümee der vier Geologen Duphorn, Grimmel, Schneider und Kleemann war einhellig. Gorleben ist unbrauchbar, tot oder wissenschaftlich delegitimiert! Nur in Details wird mehr Wert auf das fehlende Deckgebirge oder die Gasvorkommen gelegt. Im norddeutschen Bereich, wo in den nächsten 1 Millionen Jahren mit mindestens 10 weiteren Eiszeiten gerechnet werden muss, wird Salz von allen Geologen gänzlich ausgeschlossen.
Graf Andreas von Bernstorff und Marianne Fritzen, die ebenfalls ihre Eindrücke aus dem Untersuchungsausschuss schilderten, wurden persönlicher. Bernstorff hatte ein an sachlicher Aufklärung interessiertes Gremium erwartet und war entsetzt, dass von Seiten der CDU nur persönliche Angriffe gegen ihn gestartet wurden, die vom eigentlichen Thema ablenken sollten. Offensichtlich habe die CDU mit seiner bürgerlichen Herkunft ein Problem, da sie ihn nicht als „Krawallmacher“ abstempeln könnte. So versuchte die CDU immer wieder den Eindruck zu erwecken, der Graf gäbe nach Außen den Atomkraftgegner vor, wäre aber heimlich der größte Profiteuer der Atomanlagen. Am Schlimmsten fand Bernstorff aber die Tatsache, dass seine Erklärungen, dass es sich bei den Entschädigungen, die er für Naturschutzausgleichsmaßnahmen und beschädigte Wege erhalte, um einen reinen Schadensausgleich handele, gar nicht wahrgenommen wurde. So wurde er schließlich sogar in der abschließenden Plenardebatte des Bundestages ähnlich verleumdet.

Expertengespräch moderiert von Asta von Oppen, mit Andreas Graf von Bernstorff, Dr. Ulrich Kleemann und Prof. Eckhard Grimmel (Schneider und Duphorn nicht im Bild). (Foto: D.Schaarschmidt)
Marianne Fritzen, die gleich zu Anfang betont hatte, dass es sich bei dieser Veranstaltung um die letzte große Veranstaltung handele, die sie mit vorbereitet hat, berichtete über die Gorleben Kommission und die Repressionen gegen Atomkraftgegner von Anfang an.
Die Frage nach den Konsequenzen aus dem Untersuchungsausschuss auch für das gleichzeitig im Bundestag verabschiedete neue Standortsuchgesetz, war unterschiedlich. Mehrheitlich wurde dafür plädiert, Gorleben nicht ein neues Suchverfahren mit aufzunehmen. Lediglich Dr. Ulrich Kleemann zeigte sich optimistisch, dass Gorleben im neuen Suchverfahren ausscheiden wird. Er wird aller Voraussicht nach als Einziger der Anwesenden in der neuen Endlagerkommission vertreten sein.

Marianne Fritzen stellt die Bundestagsabgeordneten Eckhard Pols (CDU), Kirsten Lühmann (SPD), Moderator Jürgen Voges, Dorothea Steiner (Grüne) und Johanna Voß (Linke) vor. (Foto: Dominique Chasseriaud)


Vor der Podiumsdiskussion am Abend, zu der Bundestagsabgeordnete von CDU, SPD, Linken und Grünen gekommen waren, hatte Wolfgang Ehmke auf die Vorgeschichte des Untersuchungsausschusses hingewiesen. Durch Nachforschungen der Bürgerinitiative war der Stein überhaupt erst ins Rollen gekommen. Der CDU Abgeordnete Eckhard Pols hat seinen Wunsch geäußert, Gorleben möge doch endlich zu Ende erkundet werden. Er überlasse alles der Wissenschaft und habe selber eigentlich keine Meinung dazu. Kirsten Lühmann (SPD) und Dorothea Steiner (Grüne)verteidigten ihre Position, nach der sie sich persönlich zwar ein Ausscheiden des ungeeigneten Salzstockes Gorleben aus dem neuen Suchverfahren gewünscht hätten, aber um den Konsens nicht zu gefährden, einem Verbleib Gorlebens zugestimmt haben.
Allein die hiesige Abgeordnete Johanna Voß von den Linken konnte eine Übernahme vder BI-Position vermelden, wonach es einem neuen Suchverfahren die Grundlage entzieht, wenn der Zankapfel Gorleben im Verfahren verbleibt.

Blindsuche nach Atommülllager machen?

Blindsuche nach einem Atommüllendlager-Standort!

Warum nicht?

Wir anonymisieren einfach die Daten der über 200 Salzstöcke in Norddeutschland und bitten dann ein Dutzend international anerkannter Geologen, nach den Vorauswahlkriterien von 1983 und 1995 die 50 untersuchungswürdigsten Salzstöcke heraus zu finden.

Die Kriterien von 1983 und 1995 waren übrigens damals Stand von Wissenschaft und Technik und sollten ja in Zukunft höchstens verschärft und nicht abgeschwächt werden, von daher wäre die Auswahl eben nur eine grobe Vorauswahl, bevor man sich eingehender mit diesen geologischen Formationen befasst.

Was meinen Sie würde bei diesem Blindversuch herauskommen? Sie würden sich wundern, den Gorleben würde sich nicht unter den 50 „Besten“ befinden!

Wieso denn das? Wo doch immer gesagt wird, es gäbe keine Erkenntnisse, die gegen Gorleben sprächen?

Das ist ja richtig! Aber da Gorleben nie nach den allgemein gültigen geologischen Kriterien, die für die Auswahl anderer Standorte angelegt wurden, ausgewählt wurde, hat man diese Phase einfach übersprungen und die auf Gorleben nachträglich angewandten Kriterien einfach den dortigen Verhältnissen angepasst.

Und einmal im Salz, ist dieser Salzstock wirklich wunderschön salzig, wie übrigens 200 andere Salzstöcke auch! Es wird also heute nicht mehr danach gefragt, ob Gorleben überhaupt geologisch geeignet (untersuchungswürdig) ist, sondern nur, ob er denn nach bestimmten Rechenmodellen eine bestimmte Zeit lang so dicht hält, dass keine unzulässige Strahlenmenge an die Erdoberfläche kommt.

Wer dieser Logik  folgt, die auch im neuen Endlagersuchgesetz verfolgt wird, der macht den nächstbesten Salzstock zum Atommüllendlager (wie zuvor schon die ASSE) und nicht einen bestmöglichen Salzstock.

Woher wissen wir denn heute schon, wie der Blindversuch ausgehen würde, obwohl doch noch nie Gorleben geologisch verglichen wurde?

Nach der BGR-Salzstudie, bei der alle Salzstöcke (außer Gorleben) in den Alten und Neuen Bundesländern auf ihre Untersuchungswürdigkeit untersucht wurden, hat Greenpeace von einigen Geologen die gleichen Kriterien auf Gorleben anwenden lassen. Das Ergebnis war erschreckend! Gorleben wäre demnach niemals unter die untersuchungswürdigen Salzstöcke gekommen.

Bereits 1974 hat Prof. Lüttig, als damaliger Vizepräsident des Niedersachsischen Landesamtes für Bodenforschung, alle norddeutschen Salzstöcke (West) auf ihre Eignung untersucht. Gorleben landete in der schlechtesten Kategorie und wurde nicht weiter beachtet. Als Ministerpräsident Albrecht 1977  trotzdem Gorleben als Standort benannt hat, war Lüttig empört. Albrecht antwortete damals: „Ihr Geologen kommt später noch dran, das ist eine politische Entscheidung.!“

Alle Beweise, wie später die Kriterien an die Befunde von Gorleben angepasst wurden, sind in den Akten des Gorleben Untersuchungsausschusses zu finden.

Steinkemper vor Untersuchungsausschuss

Zeuge berichtet über Atompolitik der 1990er Jahre
1. Untersuchungsausschuss (Gorleben) – 29.06.2012
Berlin: (hib/JR) Vor dem Gorleben-Untersuchungsausschuss hat der Zeuge Hubert Steinkemper am Donnerstagnachmittag über die Atompolitik verschiedener Kabinette ausgesagt. „Beim Thema Kernenergie konnte ich keinen Unterschied feststellen“, sagte der 65-Jährige mit Blick auf den Regierungswechsel im Jahr 1982 von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) zu Helmut Kohl (CDU). 1980 hatte Steinkemper im Rechtsreferat des Bundesinnenministeriums gearbeitet. Zwischen 1994 und 1999 leitete er im Bundesumweltministerium (BMU) die Unterabteilung zur Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen.

Der heutige Abteilungsleiter im BMU berichtete ferner über die Gespräche zwischen Regierungsvertretern und Energieversorgungsunternehmen in den 1990er Jahren. „Aus Sicht der Bundesregierung galten die Entsorgungsgrundsätze“, sagte Steinkemper, „und dazu gehört auch die Perspektive Endlagerung“. Aus der Industrie kamen damals Überlegungen, den Entsorgungsvorsorgenachweis und die Erkundung in Gorleben inhaltlich voneinander zu trennen.

Der Erste Untersuchungsausschuss geht der Frage nach, ob es bei der Entscheidung der Bundesregierung, sich bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll im Jahr 1983 auf den Standort Gorleben zu beschränken, zu politischen Einflussnahmen oder Manipulationen gekommen ist.

Schließlich befragten die Abgeordneten Steinkemper zu einem Positionspapier zur weiteren Entwicklung der friedlichen Nutzung der Kernenergie aus dem Jahr 1995. „Es läge nahe, dass ich dieses Papier damals gesehen habe“, sagte er. „Aktive Erinnerung aus heutiger Sicht habe ich aber nicht.“ Nach Lektüre des Papiers sagte Steinkemper, an verschiedenen Passagen komme er zum Ergebnis, dass vieles dafür spreche, dass er nicht der Verfasser gewesen sei.

Angesprochen wurde auch ein Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ aus dem Jahr 1995, der Steinkemper als „Hardliner“ unter der damals neuen Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete. „Über den Artikel habe ich mich damals sehr geärgert“, sagte Steinkemper. „Die Aussage, die Hardliner würden fröhliche Urstände feiern, die unter dem vorherigen Bundesumweltminister Klaus Töpfer schon als Dissidenten galten, trifft schlicht nicht zu.“

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Merkel die Angstbeißerin feuert Röttgen – warum ?

Wie kommt es zu dieser Panikreaktion von Merkel ?
Auch ich möchte mich an den Spekulationen zu diesem Thema beteiligen.
Seit Monaten können wir im Gorleben Untersuchungsausschuss bemerken, dass die CDU nichts unversucht lässt, um die Anhörung der ehemaligen Umweltministerin Merkel zu verzögern oder gar zu verhindern. Es wird ganz offen davon gesprochen, dass der Ausschuss sehr schnell zu einem Ende kommen könne, wenn der Endlagerkonsens unter Dach und Fach sei.
Dieser angestrebte „Endlagersuch-Konsens“ ist/war Röttgens liebstes Kind. Er wollte den Konsens am Liebsten vor der NRW-Wahl, um als Strahlemann dazustehen, was nicht gelang. – Woran ist dies gescheitert? Hauptsächlich an der Gorleben-Frage.
Von daher ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, dass Röttgens Rausschmiss auch etwas mit Gorleben zu tun hat. Denn worin liegt Merkels große Angst vor dem Gorleben-Untersuchungsausschuss begründet ? Merkel hat 1995 als Umweltministerin in einer zentralen Frage gelogen und die Öffentlichkeit bewusst getäuscht. Dies wurde in den letzten Zeugenvernehmungen deutlich heraus gearbeitet. Bisher hat sich auch noch kein früherer Mitarbeiter schützend vor die damalige Ministerin geworfen. Alle sagen, sie waren es nicht, das wurde oben politisch entschieden. – Als letzter Retter bleibt nur noch Hennenhöfer, der bald vernommen werden soll.
Wenn also der neue Umweltminister dafür sorgen würde, dass Gorleben endgültig aus geologischen Gründen aus dem Endlagersuchverfahren heraus genommen wird, dann könnte die Kanzlerin hoffen, dass sie im Untersuchungsausschuss mit einem blauen Auge davon kommt, oder erst gar nicht mehr vorgeladen wird, weil der Ausschuss vorzeitig beendet wird. – So gesehen würde der Rausschmiss Röttgens Sinn machen. Da kommt das Solar-Debakel noch oben drauf. Aber wir können gespannt sein, wie die Energiewende und der Endlagersuch-Konsens unter Altmeier weitergehen wird, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, aber ein enger Vertrauter Merkels ist…

Gorleben war nicht 1. Wahl

Zeuge Dr. Paul Krull vor dem Untersuchungsausschuss 26.04.2012

Dr. Paul Krull vor dem Gorleben Untersuchungsausschuss.

Am Donnerstag den 26. April sagte der Geologe Dr. Krull vor dem Gorleben Untersuchungsausschuss aus. Krull war einer von zwei Autoren, einer Studie zu alternativen Salzstandorten, die vom Bundesumweltministerium beauftragt worden war. 1995 war das Ergebnis der Studie von der damaligen Umweltministerin Merkel der Öffentlichkeit mit den Worten vorgestellt worden: „Gorleben bleibt 1. Wahl“  Diese Aussage wurde von allen Fraktionen des Bundestages mit besonderer Aufmerksamkeit dem Zeugen Krull vorgehalten, weil Gorleben in dieser Studie überhaupt nicht untersucht wurde und nach Anweisung durch Vorgesetzte auch nicht mit den anderen Salzstöcken verglichen werden durfte. So weicht Krull denn auch der Frage aus, was passiert wäre, wenn man Gorleben mit den anderen Standorten verglichen hätte: „Unser Auftrag war nicht, diese Salzstöcke mit Gorleben zu vergleichen. Ein direkter Vergleich verbot sich.“ –  Wenn er jedoch die Daumenschrauben angelegt bekäme und den Vergleich mit Gorleben vornehmen sollte, dann bekäme Gorleben zwar nicht die Farbe grün, aber doch wohl gelb und wäre damit seiner Meinung nach noch untersuchungswürdig.

Mit dieser Aussage bestätigt der auf die ostdeutschen Salzstöcke spezialisierte Ost-Geologe zumindest nicht die Aussage von Merkel, Gorleben sei 1. Wahl und alle anderen Salzstöcke seien entweder schlechter oder gleich gut wie Gorleben.

Vor seiner Tätigkeit für die BGR (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) hatte Krull lange Jahre für das ZGI (Zentrale Geologische Institut) der DDR im Bereich zur Genese von Erdgaslagerstätten gearbeitet. Er bestätigte auch, dass der poröse Sandstein im Bereich des Rotliegenden hier in Norddeutschland überall potentiell Erdgas führend sei. Für den Bereich Gorleben ging er jedoch davon aus, dass die DDR ihre Erdgasbohrungen in den 70iger Jahren deshalb eingestellt hätten, weil die Erdgasvorkommen bei Lenzen nicht wirtschaftlich erschließbar waren.

Im Übrigen war es ihm eine Selbstverständlichkeit, dass der Salzstock Gorleben-Rambow eine durchgängige Struktur sei. Die Anmerkung der Abgeordneten Dorothée Menzner (DIE LINKE), dass dies von westlichen Geologen lange angezweifelt wurde, konterte Krull mit der lakonischen Bemerkung:  „Natürlich ist dies eine durchgängige Struktur, warum sollte die nicht über die Grenze gehen.“

Bereits 1991  hatte Krull als seine erste Tätigkeit für die BGR eine Salzstudie über alle auf dem ehemaligen Gebiet der DDR gelegenen Salzstöcke gemacht, die auch der Suche nach Lagerstätten für hochradioaktiven Atommüll dienen sollte. Auf die Frage der Abgeordneten Johanna Voß (DIE LINKE), warum damals der Ostteil, des Salzstockes Gorleben-Rambow nicht in die engere Wahl der geeigneten Salzstöcke gekommen sei, stellte Krull fest. „ Rambow schied aus wegen dem Einbruchsee, dem Rudower See, der genau über dem Salzstock liegt. Wir haben damals keinen Salzstock mit einem Einbruchsee in die engere Wahl genommen.“ Zu den Fragen von Voß zur Barrierefunktion des Deckgebirges bei Gorleben äußerte Krull: „ Es wäre natürlich ideal, wenn Gorleben keine Rinne hätte und es eine geschlossene Deckschicht vorhanden wäre. Er hielt diese Kriterien aber nicht für entscheidende Kriterien. Allerdings sollten die Alternativen zu Gorleben nicht wieder eine Rinne aufweisen, sondern besser sein als Gorleben.“